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Porsche-Vorstand Wendelin Wiedeking
Als Kind wollte ich: Unbedingt Pilot werden weil ich glaubte, dass die Freiheit dort oben hoch über den Wolken grenzenlos sein muss. Dass die Realität im Cockpit ganz anders aussieht, habe ich erst später als Jugendlicher erkannt.
Das macht mir Spaß: Kartoffeln anzubauen. In der Nähe unseres Hauses besitze ich einen Kartoffelacker, den ich selber bestelle mit einem roten Porsche-Traktor aus den 50er Jahren.
Erstes Geld verdient mit: Immobilienmakler, noch während meines Studiums.
Lieblingsessen: Ein saftiges Steak, auf dem Holzkohle-Grill gebraten und mit frischen Kartoffeln serviert, die aus eigenem Anbau stammen.
Von Zuhause bin ich weg mit: 18 Jahren, gleich nach dem Abitur. Ich bin nach Aachen gezogen, um dort Maschinenbau zu studieren. |
Der Porsche-Pilot
Er lässt schnelle Autos bauen und Insider nennen ihn „Dynamikus“: Wendelin Wiedeking hat aus Porsche den profitabelsten deutschen Autohersteller gemacht. Wiedeking wurde 1952 in Ahlen geboren. Er studierte an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule in Aachen Maschinenbau und wechselte nach seiner Promotion zu Porsche; seit 1993 ist er der Chef des schwäbischen Vorzeigeunternehmens. Entspannung sucht Wiedeking auf seinem Traktor. Der ist rot und natürlich ein Porsche.
Ihr persönlicher Tipp: Wie kommt man als Abiturient am schnellsten zu einem eigenen Porsche?
Ganz einfach: durch Qualifizierung, Fleiß, Geschick und mutige Entscheidungen, die zu beruflichem Erfolg und einem entsprechend hohen Einkommen führen. Das ist jedenfalls der übliche Weg. Eine andere Möglichkeit ist, bei Porsche zu arbeiten und Karriere zu machen. Damit kommt man eines Tages in den Genuss eines sportlichen Dienstwagens. Das ist zwar nicht der bequemste Weg, um Porsche-Fahrer zu werden schließlich erwarten wir von unseren Mitarbeitern Höchstleistungen. Aber wenn man gute Voraussetzungen mitbringt und sich für das Unternehmen mit aller Kraft einsetzt, dürfte es der schnellste sein.
Als Student haben Sie Ihre eigene Immobilienfirma gegründet. Wie kommt man als technisch versierter Mensch auf diese Idee?
Neben der Technik hat mich schon immer auch die unternehmerische Herausforderung interessiert. Außerdem wollte ich finanziell so früh wie möglich auf eigenen Beinen stehen und weder meiner Familie noch dem Staat unnötig auf der Tasche liegen. Als ich mir dann in Aachen eine eigene Wohnung suchen musste, stellte ich fest, dass die Makler, mit denen ich es zu tun bekam, offenbar ganz gutes Geld verdienten. Also habe ich mir Analysen und Daten über den örtlichen Immobilienmarkt besorgt und wenig später ein eigenes Büro aufgemacht. Und es hat nicht lange gedauert, bis ich mir mit dem selbst verdienten Geld mein Studium finanzieren konnte.
Welche Erkenntnisse haben Sie damals mitgenommen, die Ihnen auch heute noch im Berufsleben nützen?
Ich habe sehr früh gelernt, mit unternehmerischer Verantwortung umzugehen, Risiken richtig einzuschätzen und eigenständig zielführende Entscheidungen zu treffen. Diese grundlegenden Erfahrungen haben mich sicher geprägt und mir zumindest in meinen ersten Berufsjahren geholfen. Inwieweit ich davon noch heute profitiere, kann ich nicht sagen. Zwischenzeitlich sind ja viele ganz neue Erfahrungen dazugekommen. Und Porsche hat natürlich auch eine andere Dimension als so ein kleines Maklerbüro.
Mit welchen Argumenten überzeugen Sie einen hochmotivierten und technikbegeisterten Abiturienten, damit er zu Porsche kommt?
Ich glaube kaum, dass es dazu allzu großer Überredungskunst bedarf. Schließlich bescheinigen uns einschlägige Studien immer wieder, dass Porsche heute zu den beliebtesten Arbeitgebern in Deutschland zählt. Diese große Anziehungskraft hat sicher viel mit den faszinierenden sportlichen Fahrzeugen zu tun, die wir bauen. Auch unser Geschäftserfolg spielt eine Rolle. Bei einem profitablen Unternehmen arbei-tet man natürlich lieber als bei einer Firma, die einem keine Zukunftsperspektive bieten kann. Außerdem ist Porsche trotz seines Wachstumskurses sehr überschaubar geblieben. Wir haben flache Hierarchien und kurze Entscheidungswege. Da übernehmen Nachwuchskräfte bei entsprechendem Einsatz relativ schnell Verantwortung.
Welche Voraussetzungen muss ein Abiturient mitbringen, wenn er später einmal in das Management Ihres Unternehmens vorstoßen möchte? Ist hier allein die Persönlichkeit ausschlaggebend oder sollte man sein Studium gezielt aussuchen und planen?
Beides ist wichtig: Die charakterlichen Eigenschaften müssen genauso stimmen wie die Qualifikation. Grundvoraussetzung ist sicher ein erfolgreich abgeschlossenes Studium. Wer dann in den ersten Berufsjahren durch überdurchschnittliche Arbeitsergebnisse, Ehrgeiz, Durchsetzungsvermögen, Entscheidungsfreude und Verantwortungsbewusstsein als potenzieller Leistungsträger auffällt, den nehmen wir in unser internes Programm zur Führungskräfteentwicklung auf und bereiten ihn gezielt auf künftige Aufgaben im Management vor.
Wie muss man sich einen Arbeitstag von Ihnen vorstellen? Steigen Sie als passionierter Ingenieur auch selber hinters Steuer und testen jede neue Porsche-Entwicklung, bevor sie auf den Markt kommt?
Klar, denn bevor ich gemeinsam mit den Vorstandskollegen über die Realisierung eines neuen Modells zu entscheiden habe, muss ich mir ja erst einmal ein genaues Bild von dem Fahrzeug machen. Und dazu gehört natürlich auch, es in der Praxis zu prüfen. Damit hier aber kein Missverständnis aufkommt: Natürlich verbringe ich meine Zeit in der Regel nicht damit, Prototypen spazieren zu fahren. Mein Arbeitstag ist gut ausgefüllt mit Konferenzen, Telefonaten und dem Studieren von Akten. Gelegentlich schaue ich auch bei den Werkern am Band oder bei den Ingenieuren in unserem Entwicklungszentrum vorbei. Außerdem bin ich viel auswärts unterwegs, bei Zulieferern und Geschäftspartnern. Mein Kalender ist oft auf Monate hinaus mit Terminen gefüllt. Über Langeweile kann ich mich also nicht beklagen.
Trauen Sie sich zu, einen Menschen vom Porsche-Kauf zu überzeugen, der sagt: Ein Auto ist für mich ein Fahrzeug, um von A nach B zu kommen? Oder ist das ein hoffnungsloser Fall?
Ich habe absolut kein Problem damit, dass es Menschen gibt, die so denken. Die anderen Hersteller wollen ja schließlich auch Autos verkaufen. Doch Spaß beiseite: Wer sich beim Autokauf ausschließlich an rationalen Kriterien orientiert, der wird mit einer Mittelklasse-Limousine oder einem Kleinwagen meistens auch ganz ordentlich bedient sein. Wer allerdings einmal am Steuer eines 911, Boxster, Cayman oder Cayenne gesessen und die besondere Faszination des sportlichen Fahrens hautnah miterlebt hat, der ist oft für immer mit dem Porsche-Virus infiziert. Wenn dann auch noch die finanziellen Voraussetzungen stimmen, um sich einen Porsche leisten zu können, muss man ihn bestimmt nicht mehr lange überzeugen.
Mit Wendelin Wiedeking sprach Max Grün |
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