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Audi-Vorstand Werner Widuckel
Als Kind wollte ich: tatsächlich Lokomotivführer werden. Damals gab es ja noch richtige Dampfloks. Bei den heutigen Zügen wäre das für mich kein attraktiver Job mehr.
Das macht mir Spaß: Musik hören, vor allem Johann Sebastian Bach. Da hat man das Gefühl, dass man nicht alleine ist in der Welt, dass man aufgehoben ist.
Erstes Geld verdient mit: Nachhilfe-Unterricht. In Deutsch und Englisch, da war ich 16. Mit dem Geld habe ich mir Schallplatten gekauft, damals noch nicht Bach, eher Led Zeppelin.
Abi-Note: 3,0. Aber Achtung: Ich habe mich gesteigert. Mein Diplom habe ich mit 1,7 abgeschlossen, meine Promotion mit 1,0.
Von zu Hause weg mit: 20. Das rate ich jedem: Zu lange im Hotel Mama lähmt die Fähigkeit, das eigene Leben zu organisieren.
Lieblingsessen: Fisch. Auf jede Art und Weise. Mit meiner Frau zusammen zu kochen ist eine meiner Lieblingsbeschäftigungen. |
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Aufrichtigkeit zahlt sich aus.“
Abi-Noten findet er nicht so wichtig und von exakter Karriereplanung rät er ab. Stattdessen legt Audi Personalchef Werner Widuckel Abiturientinnen und Abiturienten Praxiserfahrung, Leidenschaft und vor allem Aufrichtigkeit ans Herz.
Herr Widuckel, haben Sie als Kind gerne Autoquartett gespielt?
Mit Leidenschaft.
Und Ihre Lieblingskarte ...
... war kein Audi, dass muss ich leider zugeben. Mein Favorit war ein Jaguar E-Type. Wunderschöner Wagen, sechs Zylinder, Höchstgeschwindigkeit: 241 km/h.
Dann sind Sie ja sicher manchmal traurig, nicht bei Jaguar gelandet zu sein.
Auf keinen Fall. Schon gar nicht, wenn ich die Entwicklung von Audi und Jaguar seit den Sechzigerjahren vergleiche. Wenn Audi schon damals die Wagen gebaut hätte, die die Firma heute hat, dann hätte ich ohnehin nie einen Gedanken an den E-Type verschwendet. Und Audi baut nicht nur tolle Autos, Audi ist eine tolle Firma.
Warum?
Weil hier Menschen arbeiten, die sich voll und ganz mit der Marke identifizieren. Die begeistert und motiviert sind. Die den Ehrgeiz haben, zu den Besten zu gehören. Und diese Motivation ist die Grundbedingung dafür, dass auch die Ergebnisse gut sind. Das gilt für einzelne Personen genauso wie für ganze Firmen.
Welche Rolle spielen Sie als Personalvorstand dabei genau?
Ein Beispiel. Wir entwickeln gerade ein ganz neues Entgeltsystem. In Zukunft werden die Löhne bei Audi stärker als bisher von der individuellen Leistung des einzelnen Angestellten abhängen. Wir denken außerdem darüber nach, welche Qualifikationen wir von unseren Mitarbeitern in Zukunft verlangen werden.
Welche denn?
Lebenslanges Lernen zum Beispiel. Unseren Azubis sage ich immer: Ihr glaubt, ihr seid jetzt mit der Schule fertig. Das Gegenteil ist wahr. Die Schule beginnt jetzt erst. Von euch wird erwartet werden, dass ihr die nächsten 50 Jahre lernt! Auf der Arbeit, aber auch privat. Das empfehle ich jedem.
Die Bereitschaft, ständig dazu zu lernen, war sicherlich auch eine Voraussetzung für Ihre Karriere.
Sicherlich. Ich habe zum Beispiel 2003, da war ich schon zwanzig Jahre in der Industrie, noch meine Promotion gemacht. Dafür hatte ich nicht, wie ein normaler Student, den ganzen Tag lang Zeit, sondern eben nur am Wochenende oder auch mal spätabends. Trotzdem habe ich das durchgezogen, weil ich wusste, dass mir das auch für meine Arbeit etwas bringt: Alles noch einmal aus einer anderen Perspektive sehen, dazulernen. Man darf nie zufrieden sein. Es geht immer noch besser, das sollte man nie vergessen. Das ist auch mein Tipp auch an junge Leute.
Waren Sie schon immer so ehrgeizig?
Nun ja, sagen wir mal so: Ich war als Schüler sehr selektiv. Ich war in den Fächern gut, die ich gemocht habe. Deutsch, Kunstgeschichte, Gemeinschaftskunde. Aber da gab es auch Fächer, die ich nicht gemocht habe, in denen ich mich gar nicht angestrengt habe und mein Abitur war dann auch nicht besonders gut.
War das kein Karrierehindernis?
Nein, auf keinen Fall. Später muss man sich dann am Riemen reißen, das schon. An der Uni habe ich wirklich alles gegeben. Nächtelang gelernt. Aber das hat mir eben, anders als oft an der Schule, auch Spaß gemacht.
Sie sind im Audi-Vorstand, da denkt man natürlich an BWL, Jura, irgendeine Elite-Uni ...
Nein, überhaupt nicht. Ich habe Sozialwissenschaften studiert, in Göttingen.
Aha: Es heißt doch immer, Sozialwissenschaftler könnten nur noch Taxifahrer werden.
Das ist Unsinn. Das sozialwissenschaftliche Studium bestand aus so unterschiedlichen Dingen wie Arbeitsrecht, Psychologie, Politik, Soziologie. Das war eine sehr gute Vorbereitung. Jemand, der sich für den Bereich Personal oder Organisation interessiert, sollte sich in dieser Richtung orientieren, nur BWL reicht nicht, da muss man breiter aufgestellt sein. Und: Sozialwissenschaftler sind in der Industrie höchst willkommen! Ich habe immer von meinem Studium profitiert, habe nach meinem Diplom noch kurz an der Uni gearbeitet, bin dann Berater des VW-Betriebsrats geworden und langsam immer weiter aufgestiegen. Bis zu meinem Job bei Audi.
Wie kamen Sie denn eigentlich von der Uni zurück zu den Autos?
Autos haben mich ja ohnehin schon immer begeistert, daher ja auch das Autoquartett. Ich bin außerdem in Wolfsburg aufgewachsen, der VW-Stadt, da dreht sich alles nur um Volkswagen. Ich habe übrigens auch schon vor meinem Studium bei VW gearbeitet, in der Produktion, Sitze gepolstert, das war wirklich harte Arbeit.
Und eine Vorbereitung für die Karriere?
Damals habe ich das alles nicht geahnt. Aber natürlich hat mir das geholfen. Ich habe am eigenen Leib erfahren, wie das ist, zu arbeiten, in der Fabrik. Da sieht man später, am Schreibtisch, in einer verantwortungsvollen Position, die Dinge ganz anders. Man kann viel lernen in der Praxis. Ich habe zum Beispiel meinen Zivi in einem Krankenhaus gemacht; da lernt man besser als in einem Wirtschaftsstudium, was das heißt: Absolute Kundenorientierung, Teamarbeit. Praxiserfahrung - das kann ich jedem jungen Menschen nur raten.
Wann ist dafür der beste Zeitpunkt?
Gleich nach dem Abitur. Es ist gar nicht unbedingt so gut, gleich an die Uni zu gehen, es ist viel besser, ein paar Erfahrungen in der wirklichen Welt zu sammeln, damit man dann genau weiß, was man will. So war es dann auch bei mir. Ich wusste, ich will Sozialwissenschaften studieren, auf jeden Fall. Mein Vater war total dagegen, aber ich habe es durchgeboxt. Und das wäre noch ein Tipp: Macht nicht das, was die anderen von euch wollen, macht das, was ihr selber wollt.
Angenommen, dass, was ich selber genau will, ist, Audi-Vorstand zu werden. Was muss ich machen?
Nein, so geht das nicht. Man kann sich vornehmen, dass man hart arbeiten will, vielleicht wird man dann eines Tages einen schönen Posten haben. Aber man kann seine Karriere nicht am Reißbrett planen. Das funktioniert nicht. Das hat sogar gegenteilige Wirkungen.
Wieso bringt das nichts?
Weil man nur Erfolg hat, wenn man authentisch ist. Wenn die anderen das Gefühl haben: Der meint das auch wirklich so. Es bringt nichts, einen Standpunkt zu vertreten, nur weil der gerade dem Chef genehm ist. Ich glaube, dass mein wichtigster Pluspunkt ist, dass ich ein Mann der klaren Ansage bin. Aufrichtigkeit zahlt sich aus.
Mit Werner Widuckel sprach Jakob Schrenk
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