„Ich war weniger
in der Schule als am Set“

Matthias Schweighöfer wusste von Anfang an, wohin er wollte. Mit 31 Jahren hat er's geschafft: Er ist Schauspieler, Regisseur und hat eine eigene Produktionsfirma. Im exklusiven Interview erklärt er, wo er am meisten gelernt hat und warum er über seine ehemalige Französisch-Lehrerin nur lachen kann

Matthias Schweighöfer war der einzige Junge in der Klasse – und fand es super

Bei deinem neuen Film Schlussmacher“ warst du Regisseur, Produzent und Hauptdarsteller. War dir schon zu Schulzeiten klar, dass du einmal da hin möchtest?
Ja, tatsächlich hatte ich mir das ungefähr so vorgestellt. Ich dachte nur nicht, dass das schon so früh der Fall sein würde, sondern vielleicht mit 40. Damals wusste ich allerdings auch noch nicht, dass ich heute – mit 31 – schon 14 Jahre im Beruf sein würde.

Du hast früh angefangen  und schon als Schüler in der Oberstufe viel vor der Kamera gestanden.

Ja, ich war weniger in der Schule als am Set. Beim Abiball war das dann wirklich so: Ich kam vom Set, hab' dort noch allen Tschüss gesagt und bin am nächsten Morgen wieder zurück zum Dreh. Dann war ich weg.

Klingt, als wärst du nicht unbedingt traurig darüber.
Ich bin einfach nicht gern zur Schule gegangen. Was ich besonders doof fand, war das Sich-beweisen-müssen über Zensuren. Und die Kontrollen.

Gab's auch was Gutes in der Schule?

Dass man einen Ort hatte, wo man so vielen Leuten begegnet ist, das war schön. Vor allem war ich mit circa 25 Mädchen in der Klasse – und der einzige Junge! Das war cool. Speziell in der Phase zwischen 15 und 18.

Wie kam das - dass du der einzige Junge warst?
Ich bin ja zur Schule gegangen als gerade die Mauer gefallen war. Damals fing es an, dass man zwischen sogenannten Profilen wählen konnte, dem „Sprachen-Profil“ zum Beispiel. Dann kam auf einmal noch eine Schule mit einem musischen Profil dazu – mit den Hauptfächern Theater,Musik, Deutsch und Kunst. Da haben natürlich die meisten Jungs gesagt: Theater und Musik - was soll ich mit dem Mist? Ich war sofort begeistert.

Gab es irgendeinen Lehrer, von dem du rückblickend sagst: Der hat mir was Wichtiges beigebracht?
Ich hatte mal eine Französisch-Lehrerin, die hat mir immer gesagt: „Du, mit der Schauspielerei kann man kein Geld verdienen.“ Das fand ich sehr lustig. Aber meine Musiklehrerin war toll. Sie war immer erpicht darauf, dass man viel spielt und musikalisch weiterkommt. Das war gut, aber ansonsten: Mathe, Physik? Ich bin froh, dass ich das hinter mir habe.

Nach dem Abi bist du dann nach Berlin gegangen  auf die Hochschule fürSchauspielkunst Ernst Busch. Du hast aber nach einem Jahr wieder aufgehört.
Ich hatte das Gefühl, mir würde die Zeit wegrennen. Hinzu kam das Angebot, in  „Soloalbum“ mitzuspielen. Und plötzlich ging auf der Schule eine Diskussion los, ob ich den Film machen darf. Ich dachte dann: Leute, ich lass' mir doch von euch nicht sagen, was meine Zukunft bringen soll!

Wird man auf einer Schauspielschule in eine bestimmte Form gepresst?
Naja, wenn da Leute kommen, die noch nie gespielt haben und dann zu dir sagen: „Sei halt mal ein bisschen durchlässig …“ – da kannst du so jemandem sofort eine klatschen! Ich würde mir immer von Klaus Maria Brandauer sagen lassen: Sei doch mal durchlässig. Bei dem weiß ich aber auch, was er gemacht hat. Aber bei einem, der noch nie gespielt hat? Aber so ist Schule: Das kann man mögen oder nicht. Ich für meinen Teil dachte: Ich muss raus hier!

Wolltest du eigentlich immer schon Schauspieler werden?
Ja. Ich hab' auch als Kind schon immer Theater gespielt mit meinen Eltern.

Würdest du sagen: Von Til Schweiger, der mit als dein Förderer gilt, hast du mehr gelernt als in der Schule?
Generell hab' ich einfach durch mein Berufsleben viel gelernt. Natürlich auch durch Til. Der Beruf ist der Platz, wo man am meisten lernt.

Denkst du manchmal, wenn du morgens aufwachst: Kneif mich mal einer! Ich dreh' eigene Filme, führe Regie und bin Produzent?
Ich glaube, wenn man sich das so richtig bewusst macht, wird man zu ehrfürchtig. Aber ich hab' schon großen Respekt. Ja, manchmal ist das schon krass.

Was genau?

Ein Beispiel: Gerade kam der „Schlussmacher“-Trailer raus. Da schreibt mir Til Schweiger dann 'ne Nachricht: „Super! Klasse! Haste gut gemacht!“ Da musste ich dann plötzlich lachen, weil ich dachte: Klar, schreibt mir der Til einfach mal so 'ne Nachricht.

Was sagen eigentlich deine Eltern? Freuen die sich über den Erfolg?
Ja klar, meine Eltern freuen sich. Die nervt es nur, dass ich so wenig da bin und wir uns so selten sehen.

Das Interview führten Lars Christiansen und Simon Karrer

„Die meisten Jungs haben gesagt: Theater und Musik – was soll ich mit dem Mist? Ich war sofort begeistert.”
Früh übt sich: Matthias Schweighöfer war schon immer begeistert von der Schauspielerei.
Im Film „Schlussmacher“ stand Matthias Schweighöfer nicht nur als Schauspieler vor der Kamera, sondern hat auch Regie geführt
Titel: ganz persönlich Spitzname: Mathilda  +++ Abi-
Notendurchschnitt: 3,4 +++ Hobbies: 
Musik machen
+++ Lieblingsessen:
Steak mit Salat
+++ Zu Hause ausgezogen mit: 18 +++ Ein Film, den ich nicht oft genug sehen kann: E.T. +++ Könnte ich mir eine Rolle aussuchen, wäre das: Jack Sparrow +++ Meine größte Schwäche: Eiscreme +++ Die besten Ideen kommen mir: Beim Joggen +++ Meine Lieblingsband:
Kendrick Lamar wegen des Flows
+++ Drei Dinge, die ich machen will: Die Route 66 fahren, heiraten, 2 Kinder kriegen +++ Mein peinlichster Moment: Durchfall beim Date

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