In der Schule gemobbt ...
... heute Youtube-Star

Während der Schulzeit wurde Sami Slimani von seinen Mitschülern gehänselt, seine Youtube-Videos machten ihn zum Star. Aufgrund des Erfolgs entschied er sich nach dem Abi gegen ein Studium. Youtube als Karriereoption würde er trotzdem niemandem empfehlen.

Ein Herz und zwei Seelen – Zusammen mit seinen beiden Schwestern hat hat Sami die Marke Maison Slimani gegründet.
Ein Herz und zwei Seelen – Zusammen mit seinen beiden Schwestern hat hat Sami die Marke Maison Slimani gegründet.

Sami, hast du mit diesem Erfolg gerechnet, als du 2009 in deinem ersten Youtube-Video Tipps gegen Pickel gegeben hast?
Ich sage immer: Man kann alles schaffen, wenn man motiviert ist. Aber vor sechs Jahren dachte ich: Wenn ich eines Tages tausend Abonnenten habe, freu ich mich. In der Schule hätte ich nie gedacht, dass ich jemals beliebt sein werde.

Das klingt jetzt nicht so, als wärst du gern in die Schule gegangen.
Meine Schulzeit war sehr durch Mobbing und Ausgrenzung belastet. Es war ein täglicher Kampf für mich. Die Mitschüler haben zum Beispiel angefangen, meine Klamotten zu bewerten: „Für deine Schuhe bekommst du heute eine 3 bis 4. Für dein Oberteil eine 5.“ Im Bio-Unterricht wurde ich einmal mit einer Zwiebel eingerieben. Mittlerweile kann ich darüber lachen, aber ich weiß natürlich, dass es Menschen gibt, die an so etwas kaputt gehen. Mein Selbstbewusstsein hat sehr darunter gelitten. Ich war froh, als ich mein Abitur in der Tasche hatte.

Wie bist du mit dem Mobbing umgegangen?
Ich war sehr introvertiert und wollte mit meiner Familie nicht über meine Probleme reden. Meine Schwestern waren auf derselben Schule und haben es natürlich gemerkt. Sie haben mir Mut zugesprochen: „Sami, Schule ist nur eine Institution. Ein guter Abschluss ist der Schlüssel für dein späteres Leben.“ Ich habe die Schule nur noch als Ort gesehen, an dem ich ausgebildet werde und gedacht: Danach habe ich hoffentlich meine Ruhe. In einem Brief an mein jüngeres Ich würde ich sagen: Kopf hoch – und sag den Leuten mal „Stopp“.

Gab es auch schöne Seiten an deiner Schulzeit?
Ich versuche, aus allem etwas Positives zu ziehen. Was ich damals erlebt habe, war eigentlich nichts im Vergleich dazu, in der Öffentlichkeit zu stehen und kritisiert zu werden. Es war ein gutes Training, das mir gezeigt hat: Ich werde mir von niemandem Steine in den Weg legen lassen. Ich entscheide selbst über mein Leben.

Deine ersten Youtube-Videos hast du schon während deiner Schulzeit online gestellt – wie haben denn deine Mitschüler darauf reagiert?
Das war leider ein Anreiz, das Mobbing in Cybermobbing umzuwandeln. An einem Tag lief mein Video über Beamer auf dem Schulhof. Alle haben sich köstlich amüsiert. Nun wussten es auch meine Lehrer und die anderen Stufen. Die Lehrer haben gesagt: „Willst du dich nicht auf das richtige Leben konzentrieren und im Unterricht besser mitarbeiten? Scheinbar lebst du in einer Parallelwelt.“ Es war auch eine Parallelwelt, aber sie hat mir ein Selbstbewusstsein gegeben, das ich zuvor nicht hatte. Weil mir da Menschen geschrieben haben: „Wir finden’s super, was du machst und wie du wirkst.“ So etwas hatte ich noch nie gehört, außer von meinen wenigen Freunden, die man zu der Zeit an drei Fingern abzählen konnte.

Wie ging es nach dem Abi weiter? Dachtest du, dass aus Youtube ein Beruf werden könnte?
Nein, ich wusste nicht genau, was ich machen wollte. Deshalb habe ich zunächst Zivildienst in einer Tagesstätte geleistet. Dadurch hatte ich neun Monate Zeit zu überlegen. Währenddessen wurde der Youtube-Kanal immer größer und ich musste öfter nach Berlin reisen, was zu Konflikten mit der Zivistelle geführt hat. Es war schwer, beides zu koordinieren. Nach dem Zivildienst bewarb ich mich zunächst an verschiedenen Hochschulen für Medienmanagement.

Studiert hast du letzten Endes aber nicht. Warum?
Viele Berater an den Hochschulen haben mir gesagt: „Du bist jung und sehr erfolgreich, mit dem was du machst. Wenn du erst an deinem Erfolg arbeiten willst, raten wir dir, das zu tun. Das Studium wäre wahrscheinlich so zeitaufwendig, dass du dich gar nicht mehr so darum kümmern könntest.“

Also hast du dich auf deine Youtube-Karriere konzentriert. Was haben deine Eltern dazu gesagt?
Mein Vater wollte immer, dass ich studiere, weil meine beiden Schwestern Wirtschaftswissenschaften und Medien- und Musikmanagement studiert haben. Ich bin aus der Reihe getanzt und habe gesagt: Papa, Mama, ich werde erst einmal nicht studieren. Ich will ausprobieren, was ich mit Youtube alles machen kann. Das war die entscheidende Wendung in meinem Leben.

Haben die verstanden, was du da machst?
Als sie mich am Anfang entdeckt haben, allein im Zimmer mit der Kamera redend, fanden sie das natürlich komisch. Verstanden haben sie es erst, als ich mit ihnen in der Stadt unterwegs war und mich eine Zuschauerin angekreischt hat. Da ist ihnen bewusst geworden: „Was du machst, löst Bewunderung aus.“ Jetzt sind sie zu 1.000 Prozent dabei, haben selbst Facebook-Profile und Twitter-Kanäle und unterstützen mich. Meine Mutter hat über 60.000 Follower bei Twitter, was echt verrückt ist.

Mit Youtube hat es gut funktioniert. Was willst du sonst noch erreichen?
Als Kind stand auf meiner Liste: eines Tages eine eigene Marke haben. Mit meinen Schwestern habe ich immer gewitzelt: Slimani klingt cool, fast wie Armani – vielleicht können wir daraus eine Marke machen. Später stand auf der Liste, ein Buch zu schreiben. Ich wollte nicht nur der Videoblogger bleiben. Und in meinen Videos hab ich schon am Anfang gesagt: Ich träume davon, auf VIVA oder MTV zu moderieren.

Diese Wünsche gingen in Erfüllung. Hast du alles erreicht?
Nein. Ich möchte eine Kosmetikmarke entwickeln. Es gibt auch andere Projekte: Mit meinen Schwestern und der Spendenplattform „Betterplace“ habe ich ein Spendenprojekt ins Leben gerufen, mit dem wir ein Waisenhaus gebaut haben. Ich würde sehr gern weitere soziale Projekte umsetzen und kann mir vorstellen, eines Tages meine eigene Charity-Organisation zu haben (lacht). Man könnte meinen, ich denke sehr überheblich, aber das ist etwas, das ich jedem immer wieder weitergebe: Denke groß!

Gehen Menschen anders auf dich zu, seit du erfolgreich bist?
Ja. Ich war auf einem Klassentreffen, und als ich anfing zu reden, sind alle stumm geworden. Das war verrückt. Früher war ich der Ruhige, auf den jeder eingeredet hat. Ich dachte: Ich bin immer noch der Sami, der sich mit seinen zwei Schwestern ein Zimmer geteilt hat. Aber die haben mich ganz anders behandelt. Inzwischen haben sich sehr viele für ihr Verhalten von früher entschuldigt. Aber ich bin kein nachtragender Mensch.

Was würdest du Schülern raten, die Youtube-Star werden möchten?
Vergesst es. Ganz ehrlich. Youtube-Star ist kein Ausbildungsberuf. Man sollte sich definitiv ein richtiges Standbein aufbauen: Mit einer Ausbildung oder einem Studium.

Das Interview führte Simon Karrer

„In der Schule hätte ich nie gedacht, dass ich jemals beliebt sein werde.”
Heute sieht das ganz anders aus. 756.00 Likes auf Facebook und 1,2 Mio Abonnenten auf Youtube zeigen, wie beliebt er heute ist.
Mit Youtube zum Erfolg: Die Kamera machte den introvertierten Schüler zu einem erfolgreichen Medien-Star.
Mit Youtube zum Erfolg: Die Kamera machte den introvertierten Schüler zu einem erfolgreichen Medien-Star.
Kids’ Choice Awards: Zur Preisverleihung flog Sami bis nach Los Angeles. Die finale Abstimmung war knapp: Nur 40 Stimmen fehlten ihm zum Sieg.
Kids’ Choice Awards: Zur Preisverleihung flog Sami bis nach Los Angeles. Die finale Abstimmung war knapp: Nur 40 Stimmen fehlten ihm zum Sieg.
Titel: ganz persönlich Abischnitt: 2,3 
+++ Meine größte Macke: Ich schlage mich an jeder Tür an, egal wie breit sie ist. +++ 
Die besten Ideen kommen mir ... nachts, bevor ich schlafen gehe. +++ Dafür würde ich alles stehen und liegen lassen: Meine Familie und meine Freunde. +++ 
Für einen Tag wäre ich gerne ... Justin Bieber. +++ Mein Teenieschwarm war ... Beyoncé.
 +++ Damit kann man mir immer eine Freude machen: Mit selbstgemachten Geschenken. +++ Das würde ich für nichts auf der Welt machen: Nackt durch die Stadt laufen. +++ Mein Gute-Laune-Song: „Fighting Temptations – Time to come home“ +++ Musik höre ich am liebsten … im Auto.
 +++ Da möchte ich unbedingt noch hinreisen: Japan, Ost-Osaka, in die Berge.

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