Lucky Luke

Laut, lustig, durchgeknallt: Luke Mockridge ist Comedian, tourt durch ganz Deutschland und hat seine eigene Fernsehshow. Auf der Bühne fühlt er sich vor 15.000 Leuten wohl, doch vor seinen Lehrern hatte er Schiss. Über seine Schulzeit und warum es gut ist, mit 18 egoistisch zu sein.

Berühmt wolltest du eigentlich nie werden. Dann ist es doch passiert. Wie hast du’s angestellt?
Ehrlich gesagt weiß ich das nicht genau. Ich habe einfach gemacht, nichts wirklich geplant und mich nicht verbiegen lassen. Irgendwie fing alles in Köln an. Dort gibt es für Nachwuchs-Comedians wie mich offene Bühnen, auf denen sich jeder zeigen kann. Ich habe sie ein halbes Jahr lang genutzt. Einige meiner Auftritte habe ich aufgenommen und an „NightWash“ geschickt, einer Fernseh-Show, die junge Stand-Up-Comedians fördert. Und die fanden mich gut. Von der NightWash-Bühne kam ich zu „TV total“, dann zum Radiosender 1LIVE. Schritt für Schritt ging es weiter, die Hallen wurden größer. Nun sind vier Jahre vergangen, meine aktuelle Tour ist ausverkauft und ich trete vor bis zu 15.000 Leuten auf. Berühmt zu sein ist eher eine Art Nebenwirkung von all dem.

Dein Vater ist Schauspieler, deine Mutter Kabarettistin. Hast du davon profitiert, dass du aus einer Künstlerfamilie kommst?
Bestimmt! Lehrerkinder werden auch oft Lehrer, Ärztekinder oft Ärzte. Die Bühne ist ein Teil meiner DNA (lacht).

Als einer von sechs Brüdern war es Zuhause bestimmt nicht immer leicht…
Ich bin ein typisches Sandwich-Kind, der Dritte von sechs Brüdern. In Großfamilien hat jeder seine Rolle: Es gibt einen Sportlichen, einen Intellektuellen, einen Musikalischen und so weiter. Ich war immer der lustige Luke, damit konnte ich gut leben. Das Ganze war auch mein Instrument, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Meine Familie war mein erstes Publikum.

Warst du früher der typische Klassenclown?
Ich war sehr schüchtern, der Humor hat mir eine Bühne gegeben, die funktioniert hat. Ich habe eigentlich immer irgendeinen Mist gebaut und mich über die Reaktion meiner Mitschüler gefreut. Gerne habe ich auch Lehrer zum lachen gebracht – das war für mich eine Art Endgegner-Challenge.

Ist es heute auf der Bühne dadurch leichter oder hast du doch mal Schiss?
Ich fühle mich auf der Bühne sehr wohl. Manchmal auch wohler als auf Partys. Ich glaube, auf der Bühne bin ich nah am Leben. Ohne zu psychologisch werden zu wollen: Dort bin ich der Mensch, der ich auch im echten Leben ab und zu gerne wäre. Laut, aufgedreht und lustig, sozusagen ein eingestöpselter Verstärker mit allen Reglern auf zehn. Privat bin ich doch eher ruhig und ausgeglichen.

Woran erkennst du, dass du das Publikum auf deiner Seite hast?
Ich merke es in den ersten Sekunden. Wenn 10.000 Menschen in einer Halle in deine Richtung gucken, ist eine unglaubliche Energie da. Die muss man annehmen, bündeln und zurückspielen. Das ist ein bisschen wie Tennis. Dann schaukelt sich die Stimmung hoch und der Laden kocht! Mal ist es einfacher, mal braucht es ein bisschen mehr Zeit.

Kann man sich als Schüler von deiner Show etwas fürs eigene Referat abgucken?
Sicheres Auftreten bei kompletter Ahnungslosigkeit! In der Schule ist es wie im Leben: Nicht die Klügsten und Fleißigsten kommen am weitesten, sondern die, die sich am besten verkaufen. Ich versuche den Menschen mitzugeben, dass man ruhig auf sich selber und auf seine eigenen Stärken bauen kann.

Deine Stärke ist Humor, du kannst zudem singen und spielst mehrere Instrumente. Was kannst du nicht?
In Mathe war ich immer miserabel, weil alles nur in der Theorie funktioniert und man Ergebnisse nie wirklich zum Anfassen hatte. Ich habe einen kindlichen Spieltrieb und Neugier, da liegen mir Instrumente eher.

Du bist von einem normalen Gymnasium auf eine internationale Schule gewechselt. Was war dort besser?
Ich bin der Meinung, dass das Schulsystem in Deutschland Ja-Sager fördert. Aber in unserer heutigen, vernetzten Welt sind kreative Köpfe gefragt. Ich hatte schwere Phasen in der Schule und kam mit der totalitären Art meiner Lehrer nicht klar. Stupides Auswendiglernen bringt nichts, es ist doch viel besser Dinge zu begreifen und Zusammenhänge selber zu erkennen. Meine Phantasie und mein Humor kamen leider viel zu kurz. Ich hatte oft Angst vor Lehrern, Angst zu versagen. Zudem hatte ich Albträume vor Klassenarbeiten. Auf der internationalen Schule lernten wir in kleineren Klassen intensiv miteinander. Jeder Schüler wurde in seinen Stärken unterstützt und mit seinen verfügbaren Mitteln zum Erfolg gebracht.

Über Deine Schulzeit hast du sogar ein Buch geschrieben „Mathe ist ein Arschloch – wie (m)ich die Schule fertig machte“. Ganz ehrlich: Wer hat wen fertig gemacht?
Schule 1 : Luke 0.

Studium, Ausbildung oder erst mal Surfen lernen in Indonesien: In deinem neuen Programm „Lucky Man“ geht es darum, seinen Weg nach der Schule zu finden. Hast du Tipps, wie man sich entscheidet?
Wir streben dauernd irgendeinem Ideal hinterher. Wollen Likes, Follower, Herzen, Daumen für unser Leben und treffen Entscheidungen oft nur deshalb, damit sie ein großes Echo in unserem Bekanntenkreis generieren. Wir sollten uns lieber vorstellen, unser einziger Facebook-Freund wäre die zehnjährige Version von uns selbst. Er ist der Einzige, den wir beeindrucken sollten. Das würde vieles einfacher machen.

Und wie beeindruckst du dein zehnjähriges Ich?
Indem ich mit kindlicher Naivität durchs Leben gehe. Ich hinterfrage viel, probiere Neues aus und vor allem: Ich habe Spaß dabei. Mein Tipp: Du musst dich selbst cool finden – egal ob du später Lehrer werden willst, Polizist, Müllmann, Mönch oder Comedian. Erfolg, Glück und Zufriedenheit sind Bereiche, die du selbst definieren kannst.

Ist der Job als Comedian harte Arbeit?
Auf der Bühne zu stehen, ist für mich entspannend. Dort bin ich der Einzige mit einem Mikro und habe meine Ruhe. Bühnen und Fernseh-Studios sind für mich Wohlfühloasen. Das Drumherum ist Arbeit: das Reisen, Interviews geben, Sound-Checks und Meetings, Schrifttypen für Plakate wählen.

Was rätst du Abiturienten, die einen Berufswunsch abseits des Mainstream haben?
Einfach machen. Ihr seid selbst dafür verantwortlich, glücklich zu werden. Gerade mit 18, 19 oder 20 ist ein gesundes Maß an Egoismus richtig. Versucht nicht, eure Freunde zu beeindrucken. Bereist die Welt! Seht zu, dass ihr es euch schön macht. Es geht ganz schnell, dann habt ihr eine Freundin, Kinder und dann vermisst ihr die Zeit, in der ihr euer eigener Chef wart.

Was machst du, wenn dich keiner mehr lustig findet?
Wenn mich in zehn Jahren niemand mehr als Comedian sehen will, bin ich vielleicht Musiker oder Schauspieler, schreibe Drehbücher oder habe einen Roman veröffentlicht – ich werde definitiv etwas Kreatives schaffen.

Das Interview führte Romy Schönwetter

„Du musst dich selbst cool finden – egal ob du später Lehrer werden willst, Polizist, Müllmann, Mönch oder Comedian.”
Was andere denken, ist Luke egal. Viel wichtiger ist ihm, selbst glücklich zu sein. Und dazu muss man auch mal egoistisch sein.
Ausgezeichnet mit dem Deutschen  Comedy Preis als „Bester Newcomer“: Was Luke sagt, kommt an. Den Mund hält der Comedian nur selten.
Ausgezeichnet mit dem Deutschen Comedy Preis als „Bester Newcomer“: Was Luke sagt, kommt an. Den Mund hält der Comedian nur selten.
Luke tritt vor bis zu 15.000 Leuten auf – und bringt jeden zum Lachen. Auch in seiner Show „Luke! Die Woche und ich“.
Luke tritt vor bis zu 15.000 Leuten auf – und bringt jeden zum Lachen. Auch in seiner Show „Luke! Die Woche und ich“.
Titel: ganz persönlich Dein Abschluss: IB-Diploma, International Baccalaureate (mit 38 von 45 Punkten) 
+++ Dein Lieblingsessen: Spaghetti Bolognese von meiner Mama +++ Erstes Geld verdient als: Gag-Schreiber für meinen Vater. Er ist Comedian und ich habe mit acht Jahren von ihm 50 Mark für einen Sketch bekommen, den ich geschrieben habe. +++ „Wenn mir in der Schule langweilig war, habe ich… aus dem Fenster geguckt. Ich war ein Tagträumer.“ +++ 
Dein Humor in 3 Worten: Nah am Leben! +++ „Pokémon Go finde ich … zu stressig. Ich hab die App mittlerweile wieder gelöscht.“
 +++ Mein größtes Vorbild: Stefan Raab +++ Womit kann man dir eine Freude machen, die nix kostet: Ein High Five, der so richtig laut knallt. +++ Würdest Du ins Dschungelcamp gehen? Nein. +++ Am meisten nerven mich ... Spielfehler bei FIFA 17.“

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