Gruner+Jahr Verlagsboss Dr. Bernd Kundrun
Als Kind wollte ich: Dirigent werden
Das macht mir Spaß: Klavierspielen
Erstes Geld verdient mit: 15 Jahren
im Praktikum
Haustier: Oskar (mein Leihhund)
Lieblingsessen: Hausgemachte Frikadellen
Abi-Note: 3,5


„Der Weg ist das Ziel“

Als Student hat er Staubsauger verkauft. Heute managt er Europas größten Zeitschriftenverlag Gruner und Jahr, das Zuhause von Stern, Neon oder Geo. Mit absolut°karriere spricht Dr. Bernd Kundrun darüber, worauf man als Abiturient achten sollte, wenn man in die Medienbranche will.

Herr Kundrun, wie wichtig ist Ihnen der Notendurchschnitt, wenn Sie jemanden einstellen?
Gar nicht. Das liegt daran, dass ich ein sehr schlechtes Abitur hatte...

Nämlich...?
(schmunzelt)... 3,5. Das würdet ihr doch als schlecht bezeichnen, oder? Das war das schlechteste Abitur meiner Schule. Und wenn ich heute jemanden einstelle, bei dem alles ganz geradlinig verlaufen ist, bin ich eher skeptisch. Immer nur vorwärts und geradeaus, da fehlt mir einfach die Erfahrung mit Brüchen. Brüche kommen im Leben auf jeden von uns zu. Die Fähigkeit, damit umzugehen, muss man bei Zeiten trainieren. Wenn jemand ein schlechtes Abitur hat, dafür aber ein sensationelles Studium hinlegt, dann kann man eine Entwicklung erkennen und im Gespräch nachfragen, warum etwas so oder so passiert ist. Dabei erfährt man dann etwas über den Menschen und seine Persönlichkeit. Wenn bei einem Bewerber immer alles straight gelaufen ist, bleibt mir nur noch die Frage: „Sind Sie ein Streber?“

Wie ging es bei Ihnen nach dem Abitur weiter?
Nach meiner Dienstzeit bei der Bundeswehr habe ich an der Universität Münster BWL studiert. Das war eigentlich ein „Erst-Mal-Schauen-Ansatz“. Ich wollte den Universitätsbetrieb kennenlernen und sehen, ob mir das alles überhaupt taugt.

Wer hat Sie auf Ihrem Karriereweg stark beeinflusst?
Zuerst habe ich mit dem Gedanken gespielt, mich für zwölf Jahre bei der Bundeswehr verpflichten zu lassen und dort zu studieren. Damals war ich Reserveoffiziersanwärter und alle Weichen schienen gestellt. Klang ja auch ganz verlockend: Voll bezahltes Studium, kostenloser Führerschein und all die tollen Möglichkeiten, die man bei der Bundeswehr so hat. Ein Studium an einer normalen Uni hätte bedeutet, auf die Unterstützung der Eltern angewiesen zu sein, mit einem kleineren Geldbeutel durch die Gegend zu laufen und eben keinen Golf GTI zu fahren. Und das war ja damals das große Thema (lacht)... Mein Patenonkel ist ein erfolgreicher amerikanischer Unternehmer und er hat mir damals ans Herz gelegt: „Junge, spare dir die Bundeswehr-Uni. Sorge schnellstens dafür, dass du in die berufliche Praxis kommst, und zwar nicht erst mit 30.“ Ich habe seinen Rat angenommen und heute kann ich sagen: Es war ein guter Rat.

Welchen Fehler machen Abiturienten heute bei ihrer Studien- und Berufswahl?
Viele glauben, dass sie das BWL-Studium zum managen qualifizieren würde. Aber das kann doch gar nicht funktionieren, wenn sie nicht wissen, was sie da eigentlich managen. Junge Menschen müssen bereit sein, auch mal Dinge zu tun, die nicht unmittelbar in ihren persönlichen Karrieretraum passen. Sie dürfen sich nicht zu schade sein, durchaus auch mal ganz unten an der Basis einzusteigen. Diejenigen, die das tun, haben oftmals ein Aha-Erlebnis und sagen: „Fand ich wahnsinnig spannend, zu sehen was den Kern der ganzen Geschichte eigentlich ausmacht!“

Und was war Ihr „Aha-Erlebnis“?
Ich selbst habe während meines Studiums Staubsauger verkauft. Door to door. Das war hart, hat mir aber eine unglaubliche Erfahrung gebracht. Viele sind in dieser Eliteschiene festgefahren und haben trotz ganz toller Studiengänge, wunderbarer Noten und zahlreichen Auslandsaufenthalten nie so ein Erlebnis gehabt. Es gibt einem einfach mehr Substanz, wenn man ein Geschäft – welches auch immer – von Grund auf kennenlernt.

Verraten Sie uns Ihr Erfolgsmotto?
Mein Motto ist: „Der Weg ist das Ziel.“ In meinen ersten Jahren bei Bertelsmann habe ich als Assistent in der Filialkette des Buchclubs hinter der Kasse angefangen. Ich bin mit einem unattraktiven Dienstauto im Ruhrgebiet von Laden zu Laden gefahren, habe geschaut, ob die Schaufenster richtig dekoriert sind und das Personal motiviert ist. Und man trifft dann immer mal wieder auf gleichaltrige Kollegen, die aus einer Vorstandssitzung kommen, weil sie da gerade Protokoll geführt haben und sagen: „Hey, du bist doch der mit dem Blaumann. du bist doch derjenige, der richtig arbeitet. du tust uns leid, weil du gar nicht richtig mitbekommst, was Konzernstrategie ist. Wir sind ja viel weiter als Du!“ Aber in Wirklichkeit war ich weiter. „Der Weg ist das Ziel“ beinhaltet auch, dass man seine eigenen Ziele nicht unrealistisch hoch steckt. Das, was man tut, sollte man mit Herzblut und mit Hingabe tun und dabei nicht nur an die nächst höhere Karrierestufe denken.

Ihr Tipp für Abiturienten, die in die Medienbranche wollen?
Man sollte sich nicht verunsichern lassen. Auch wenn es in der Medienbranche immer mal wieder bergauf und bergab geht. Das ist völlig normal. Die Medien spielen im Zeitalter der Wissensgesellschaft eine immer wichtigere Rolle. Mein Tipp: Setzt als junge Menschen nicht immer nur auf neue Trends. Habt den Mut zu sagen: Ich gehe in ein Mediensegment hinein, das man heute vielleicht schon als „Old Technology“ bezeichnet. Was war das doch für ein Hype um neue Mediengattungen, die heute gar nicht mehr im Bewusstsein der Menschen sind! Man hat damals angefangen die klassischen Medien zu belächeln und die Zeitschrift wurde totgesagt. Wenn ihr aber in die klassischen Medienbereiche geht, könnt ihr davon ausgehen, ein solides Handwerkszeug mit auf den Weg zu bekommen. Die jungen Leute, die damals zu New Economy-Firmen gegangen sind, haben es heute unheimlich schwer. Sie haben die klassischen Disziplinen wie Anzeigenverkauf und Programmgestaltung nie gelernt. Und die spielen hier im Zeitschriftenhaus oder im Fernsehbereich eine große Rolle. Ihnen fehlt die berufliche Substanz. Und die bekommt ihr in den klassischen Medienbereichen zu 100 Prozent.

Welchen Job würden Sie niemals annehmen?
Mmhh... also ich könnte mir sehr schwer vorstellen, mit dem selben Herzblut für ein Rüstungsunternehmen oder für einen Tabakkonzern zu arbeiten. Obwohl ich ab und zu eine rauche (lächelt)...

Gibt es etwas, an dem sie besonders hängen. Eine Uhr oder so etwas in der Art, ein Talisman?
(grübelt)... Eine Uhr, ein Talisman, mhh nee... Man darf sein Herz nicht an Dinge hängen, sondern nur an das, was zwischen Menschen passiert. Und bei mir ist es die Familie.

Mit Dr. Bernd Kundrun sprachen Max Grün und Moritz-Marco Schröder

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