O2-Chef Rudolf Gröger
Spitzname: Rudi
Als Kind wollte ich: Weiß ich nicht mehr, auf alle Fälle aber „wohlhabend“ werden
Das macht mir Spaß: Golfen, schnelle Autos
Erstes Geld verdient mit: Fotomodel für Faschingskostüme
Haustier: Habe keines
Lieblingsessen: Fleischpflanzerl
Abi-Note: Schweigen...


„Ich wollte ein cooler Typ werden. Wirtschaftlich unabhängig und reich“

Rudolf Gröger ist ein Macher. In nur drei Jahren hat er Viag Interkom zu O2 gemacht und 520 Millionen Euro Verlust in 324 Millionen Euro Gewinn (EBITDA*) verwandelt.
absolut°karriere besucht den Mobilfunkchef in seinem Münchner Büro. Hier erzählt er von seiner Zeit als Abiturient und verrät uns, warum Bäcker doch nicht der richtige Job für ihn gewesen wäre.


Herr Gröger, würden Sie sich selbst als einen glücklichen und zufriedenen Menschen bezeichnen?
In der Absolutheit der Aussage: Wahrscheinlich ja. Mit meiner Company bin ich zwar nie zu 100 Prozent zufrieden, da finde ich immer etwas (schmunzelt)... Aber im Moment möchte ich keinen anderen Job als diesen hier machen und ich glaube schon, dass ich abends glücklich ins Bett gehe.

Bevor Sie bei Viag Interkom angefangen haben, waren Sie Geschäftsführer bei der Telekom. Wie sind Sie auf die verrückte Idee gekommen, Ihren sicheren und gut bezahlten Job dort aufzugeben und ein verlustreiches Unternehmen zu übernehmen?
Der entscheidende Punkt war, dass ich beruflich gesehen immer jemanden über mir hatte. Ich bin 20 Jahre in der Karriere unterwegs gewesen und habe mich manchmal dabei erwischt, dass ich, wenn mich meine Leute gefragt haben: „Warum machen wir dieses oder jenes, wir finden das doof!“ gesagt habe: Hört zu, ich finde das auch doof, aber unser Chef will es so. Ich hatte also immer noch eine Art Sicherheitsgurt für den Notfall. Und irgendwann habe ich mir gedacht: du kannst das ja eigentlich alles besser als die da ganz oben. Und wenn man diese Einstellung hat und die Chance bekommt der Boss zu sein, dann muss man sich fragen: Glaubst du eigentlich wirklich an das, was du die ganzen Jahre gedacht hast? Und wenn man es tatsächlich glaubt, muss man die Gelegenheit auch beim Schopf packen.

Was hatten Sie nach dem Abitur vor?
(schmunzelt)... Ja mei, ich wollte ein cooler Typ werden. Wirtschaftlich unabhängig und reich. Aber ich hatte nicht die geringste Ahnung, wie ich das anstellen sollte. Nach meinem Abitur bin ich ehrlich gesagt ein Stück weit rumgeeiert. Mein Vater hatte eine Bäckerei hier in München und er hätte sich gewünscht, dass ich sie übernehme. Der große Nachteil am Bäckertum ist allerdings, dass man jeden Morgen so gegen drei oder vier Uhr aus den Federn muss. Und das fand ich damals ziemlich uncool. Mit 18, 19 Jahren ist man ja eher so ein Nachtmensch. Ihr versteht, wie ich das meine, oder...? ...Also dieser Gedanke hat mich überhaupt nicht gereizt. Ein begeisterter Naturwissenschaftler war ich auch nicht. Das war mir alles viel zu theoretisch. Und weil ich endlich in die Praxis reinkommen wollte, habe ich dann eine kaufmännische Ausbildung begonnen. Ganz ehrlich gesagt, auch ein wenig unter dem Aspekt: Da kommst du relativ schnell an Kohle und kannst dein Benzin und die Disko selbst bezahlen.

Damit waren Sie aber nicht zufrieden...
Nein, weil mir etwas Blödes passiert ist: In der Disko traf ich einen alten Bekannten. Der hatte schon den neuen Siebener BMW, während ich noch mit einem Käfer in der Gegend herumkurvte. Ich habe ihn gefragt: Sag mal, wie machst du das eigentlich? Er hat geantwortet: „Ich bin bei Siemens und verkaufe dort Telefonnebenstellenanlagen. Da habe ich ein relativ gutes Auskommen.“ Ich habe ihn sofort gebeten, mir die Telefonnummer von Siemens zu geben. Und ein paar Wochen später saß ich auch dort und verkaufte Telefonnebenstellenanlagen. Schnell habe ich dann allerdings gemerkt: Na ja, ist zwar ganz okay hier, aber du brauchst unbedingt noch theoretischen Background. Und aus diesem Grund habe ich mein BWL-Studium begonnen.

Was muss an deutschen Schulen besser werden?
An deutschen Schulen wird leider immer noch viel zu wenig für die Persönlichkeitsbildung getan. In meiner Amerika-Zeit habe ich gesehen, dass es dort Debattier-Clubs und Rhetorik-Kurse an den Schulen gibt. Da gewinnt man als Schüler unheimlich viel: Man lernt eine freie Rede halten zu können, bekommt politische Bildung mit auf den Weg und kann in einer Diskussion souverän argumentieren. Solche Initiativen und Engagements sucht man an 90 Prozent der deutschen Schulen vergeblich. Was da für Chancen verspielt werden! Unvorstellbar! Und von einem müsst ihr ausgehen: Am Ende einer Ausbildungsphase sind alle wieder gleich. Wenn ich heute einen Studenten von der Ludwig-Maximilians-Universität hier in München abhole, dann weiß ich was er kann und was er nicht kann. Was ich aber brauche, ist jemand, der nicht nur Basis-Theoriewissen mitbringt, sondern ein Persönlichkeitsprofil hat, das ihn von anderen unterscheidet.

Was muss er können?
Er muss neugierig sein, gut im Team arbeiten und konstruktiv mit Kritik umgehen können. Je eher man diese Dinge lernt, desto besser.

Ihr Tipp für Schüler, die schon jetzt etwas für ihre Karriere tun wollen?
Arbeitet an der Schülerzeitung mit, werdet Mitglied in der SMV oder besucht Rhetorik-Kurse. Und wenn es solche Sachen an Eurer Schule nicht gibt, ergreift die Initiative und gründet diese Dinge. Wichtig ist auch, dass ihr ab und zu Zeitung lest, damit ihr wisst, was in der Welt so abgeht. Das kostet zwar manchmal Überwindung, bringt euch persönlich aber sehr viel und macht sich gut im Bewerbungsgespräch.

Wie wichtig ist Ihnen die Abi-Note, wenn Sie jemanden einstellen?
Wenn jemand studiert hat, dann interessiert sich bei uns keiner mehr für das Abi-Zeugnis. Wir schauen da eher auf die universitäre Leistung. Hier würde ich sagen: 30 Prozent Note, 30 Prozent Internationalisierung. Das heißt, wir schauen, ob er Zeit seines Lebens nur an der gleichen Uni war oder auch mal ein Semester beispielsweise in den USA verbracht hat. Die anderen 40 Prozent machen die Persönlichkeit aus. Persönlichkeit ist „the golden share“ und steht immer vor der Note. Bei uns jedenfalls.

Wovon träumen Sie noch?
Beruflich träume ich davon, dass wir den Erfolg, den wir in den letzten drei Jahren bei O2 hatten, weiter ausbauen können. Und in ein paar Jahren sitzen wir dann in einer Bude, die doppelt so groß ist wie heute (schmunzelt)...

Und ein Springbrunnen mit Gröger-Statue...
Genau, dann gehe ich nach Mallorca und schaue mir von da aus an, was die hier so machen...

Mit Rudi Gröger sprachen Max Grün und Moritz-Marco Schröder

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