Studienstart:
„Mein erstes Mal“

Von der Schule an die Hochschule: Das erste Semester ist aufregend – und voller Fettnäpfchen. absolut°karriere hat Abiturientin Hannah (19) auf ihrem Weg als „Ersti“ begleitet. Was du für deinen Studienstart wissen musst: Tipps von der Bewerbung bis zur ersten Prüfung.

Autorin: Romy Schönwetter

Im Audimax-Hörsaal an der LMU haben rund 850 Studierende Platz. Hannah mochte „ihr neues Klassenzimmer“ sofort.
Im Audimax-Hörsaal an der LMU haben rund 850 Studierende Platz. Hannah mochte „ihr neues Klassenzimmer“ sofort.

Sie ist nervös. Doch es fühlt sich anders an als sonst – besser. Denn zu ihrer Nervosität mischt sich Vorfreude auf das, was sie sich mit ihren Freunden für die Zeit nach dem Abitur in bunten Farben ausgemalt hat: Freiheit, Spaß, Wissen, Abenteuer. Im Oktober 2015, fünf Monate nach ihrer letzten Abiprüfung steht Hannah auf dem Geschwister-Scholl-Platz in München und lässt ihren Blick hinüber zum Hauptgebäude der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) schweifen. „Wahnsinn“, denkt sie, „in den nächsten drei Jahren werde ich hier studieren.“ Trotzdem lässt sie ein Gedanke nicht los: „Was ist, wenn ich das nicht schaffe?“ Laut dem Statistischen Bundesamt haben über eine halbe Million Studienanfänger ihr erstes Hochschulsemester im Studienjahr 2015/2016 begonnen. Aus Abiturienten sind „Erstis“ geworden. Eine von ihnen ist Hannah Rehwinkel.

Alles auf Anfang

Die 19-Jährige hat ihr Abitur 2015 am Maria-Ward-Gymnasium in Augsburg gemacht – mit der Abschlussnote 1,3. Ein typischer Streber ist Hannah nicht. Vielmehr eine liebenswürdige Chaotin, die vor ihrem ersten Mal an der Uni genauso viel Angst hatte wie die meisten anderen. „Nach dem Abi fühlst du dich frei – du kannst alles werden, was du willst“, sagt Hannah. „Aber die riesige Freiheit hat mich auch verunsichert.“

Wenn Hannah erzählt, dass sie zu Schulzeiten Bücher des Finanzwissenschaftlers Hans-Werner Sinn gelesen, das kostenlose Schüler-Abo vom Handelsblatt genutzt und die Griechenlandkrise in den Medien verfolgt hat, spürt man keine Unsicherheit. Sondern vielmehr ihre Begeisterung für Wirtschaftsthemen. Anders als beim Studienfach BWL, wo der Fokus auf Effizienz und Gewinnorientierung in Unternehmen liegt, hat die 19-Jährige mehr Gefallen an Volkswirtschaftslehre gefunden – „wo es um das harmonische Zusammenspiel von Staat und Wirtschaft geht.“ Was ihr ebenfalls wichtig war bei der Studienentscheidung: Eine Uni zu finden, die sich in der Nähe ihrer Heimatstadt Augsburg befindet und einen guten Ruf hat. Die LMU in München erfüllt beide Kriterien. Ein guter Ruf ist übrigens für 65 Prozent der Erstsemester wichtig. So das Ergebnis einer Erhebung des Hochschulinformationssystems (HIS).

Bewerben in wenigen Klicks

Mit ihrer Entscheidung VWL zu studieren, beginnt für Hannah ein ganz neuer Lebensabschnitt. Der erste Schritt in Richtung Studentenleben – ihre Bewerbung – klappt problemlos. Zwar ist ihr Wunschstudium zulassungsbeschränkt, das heißt nur Abiturienten mit einer Abschlussnote von mindestens 2,3 werden zugelassen. Aber Hannah schafft die Hürde mit ihrem 1er-Abi locker. Sie registriert sich auf www.hochschulstart.de, lädt dort ihr Abschlusszeugnis hoch, gibt ihre persönlichen Daten ein und das war’s. Bis zum 15. Juli hat sie Zeit dafür. Und Hannah nutzt die Frist voll aus: „Deadlines sind dafür da, sie auszureizen. Wenn ich etwas bis null Uhr abgeben muss, schicke ich meine Arbeit grundsätzlich um 23:59 Uhr“, sagt sie und lacht.

„Es ist aber nicht immer in wenigen Klicks erledigt“, gibt Andrea Lutz zu bedenken. Sie arbeitet bei der Zentralen Studienberatung an der LMU und rät dazu, gerade am Anfang etwas mehr Zeit einzuplanen. „Für manche Studiengänge braucht man zum Beispiel einen Sprach- oder Praktikumsnachweis. Wenn man das erst kurz vor der Anmeldefrist herausfindet, hat man wertvolle Zeit verloren“, erklärt die Studienberaterin. 

Die Immatrikulation: „Du bist selbst dafür
verantwortlich, dass alles läuft“

Dass mehr Zeit und bessere Planung von Vorteil sein können, hat auch Hannah gemerkt. Nach der Online-Anmeldung fährt sie mit ihrem Freund nach Frankreich in den Urlaub, in die Nähe von Bordeaux an der Atlantikküste. „Dort hatten wir nur selten Internet. Als ich an unserem ersten Samstag meine Mails gecheckt habe, stand dort: ‚Von Montag bis Mittwoch müssen Sie sich persönlich an der LMU immatrikulieren’“, erzählt Hannah. „Ich dachte nur so: What? Alle meine Freunde müssen sich doch erst viel später einschreiben.“ Denkste! Also fahren beide am Sonntag zurück nach Deutschland, Hannah immatrikuliert sich am Montag. Dienstag geht’s zurück nach Frankreich. Zusätzlicher Stress, den keiner braucht. Sie rät deshalb allen, sich rechtzeitig auf der Webseite zu informieren oder direkt bei der Studentenkanzlei anzurufen, bei der auch die Immatrikulation stattfindet: „Verlass dich nicht darauf, dass einer deiner Freunde Bescheid weiß. Meine erste wichtige Erkenntnis noch vor dem Studienstart: Du bist selbst dafür verantwortlich, dass alles läuft.“

Die O-Phase

Rund 50.000 Studierende sind an den 18 Fakultäten der LMU in 150 Studiengängen eingeschrieben. Zahlenmäßig ist die Münchner LMU damit die zweitgrößte Universität Deutschlands. Trotzdem hatte Hannah die Sorge, niemanden auf ihrer Wellenlänge zu finden. Andrea Lutz hat den passenden Tipp für alle Studienstarter: „Mach dir bewusst, dass jeder Ersti in der gleichen Situation steckt. Alles ist neu, jeder sucht nach Anschluss.“ Du bist eher der schüchterne Typ? Macht gar nichts. In der O-Phase knüpfst du besonders leicht neue Kontakte. O-Phase steht für Orientierungsphase. Sie startet rund eine Woche vor dem offiziellen Vorlesungsbeginn (im Wintersemester Anfang Oktober) und wird von studentischen Freiwilligen organisiert. Als Ersti kannst du dich anmelden, wirst in Gruppen mit rund 15 Leuten eingeteilt und bekommst einen Betreuer.

Ein Nachmittag im Biergarten, eine Rallye durch München, ein Kennenlernabend mit der Fachschaft – all das gehört dazu und schweißt die Neulinge zusammen. „Wir haben uns gemeinsam den Campus angeschaut und waren im Audimax, dem größten Hörsaal der LMU“, erinnert sich Hannah. „850 Plätze gibt es dort. Bei dem Gedanken, dass das jetzt mein neues Klassenzimmer ist, konnte ich den Studienbeginn kaum abwarten.“ In diesem neuen Klassenzimmer beginnt für Hannah offiziell das Studentenleben. Damit du nicht allein in die Höhle des Profs gehen musst, verabrede dich mit ein paar Leuten.

So hat es auch Hannah gemacht. Gemeinsam verbringen sie den ersten Tag im Audimax, wo eine Infoveranstaltung der nächsten folgt. Hannahs Tipp: „Bereite dich vor wie auf einen Schulausflug: Pack’ genügend Essen und Trinken, einen Block und Stifte ein. Und zieh bequeme Sachen an, in denen du dich wohlfühlst. Aber lass dein Abishirt lieber im Schrank.“ Der erste Tag ist die ideale Gelegenheit, Fragen zu stellen. Besonders wenn es um den Stundenplan geht. Andrea Lutz rät: „Welche Kurse in welchem Semester vorgesehen sind, kannst du online in den sogenannten Prüfungs- und Studienordnungen nachsehen. Oder dem Modulhandbuch deines Studienfachs.“ Ebenfalls online gibt es das Vorlesungsverzeichnis mit allen Lehrveranstaltungen, die aktuell angeboten werden. Und denk daran: Es ist vollkommen in Ordnung, leichtere Kurse zu wählen. Das Studium soll dir Spaß machen. Hannah ergänzt: „Erstelle deinen Stundenplan so, dass du freitags nicht an die Uni musst – ein langes Wochenende gehört für Erstis dazu.“ Wer sich zusätzlich den Raumplan ausdruckt, weiß immer, welche Vorlesung wo stattfindet.

Um die erste Vorlesung zu überstehen, gibt es zwei Regeln. Regel Nummer eins: „Lass dich nicht einschüchtern – nicht vom Prof und nicht von Kommilitonen.“ Viele Erstis werden dir von ihrer aufregenden Zeit nach dem Abi erzählen, von ihrer Weltreise oder wie sie im Amazonas-Dschungel kranke Äffchen gepflegt haben. Sie haben zwar mehr Lebenserfahrung, aber ihr fangt im Studium alle gleich an – bei Null. Daher lautet Regel Nummer zwei: „Frag nach, wenn du etwas nicht verstanden hast.“

Frag Frau Lutz 

Nachgefragt: Was wollt ihr vor dem Studienstart wissen? Andrea Lutz beantwortet eure Fragen. Sie ist Akademische Studienberaterin und seit 2011 an der LMU in der Zentralen Studienberatung tätig.

„Wie lange dauert eine Vorlesung?“ 
Frau Lutz: „Ein übliches Zeitmaß ist die ‚Semesterwochenstunde’ (SWS), die 45 Minuten beträgt. Viele Vorlesungen haben 2 SWS, das heißt sie dauern 90 Minuten. Die SWS geben an, welchen Zeitaufwand man pro Woche während der Vorlesungszeit für den Besuch einer Lehrveranstaltung (Präsenzzeit) einberechnen muss. Die Zeit für Vor- und Nachbereitung kommt noch dazu.“

„Wann und wie erstelle ich meinen Stundenplan?“ 
Frau Lutz: „Häufig ist der Stundenplan teilweise oder ganz vorgegeben, zum Beispiel in medizinischen Fächern und vielen Bachelorstudiengängen. Wenn man nicht schon bei der Immatrikulation einen Stundenplan erhält, bekommt man Tipps und Anleitungen in den Einführungsveranstaltungen. Welche Kurse in welchem Semester vorgesehen sind, siehst du online in den Prüfungs- und Studienordnungen oder den Modulhandbüchern der Studienfächer.“

„Habe ich einen Ansprechpartner bei Problemen?“
Frau Lutz: „Ein erster Anlaufpunkt ist die Zentrale Studienberatung der Universität – manchmal auch Allgemeine Studienberatung genannt. Dort kannst du Fragen stellen und bekommst, wenn nötig, weitere Ansprechpartner vermittelt. Du kannst dich zudem an Studierende wenden, die sich in der Fachschaft engagieren. Auch die Studentenwerke helfen dir weiter, etwa bei den Themen Studienfinanzierung , BAföG oder Wohnen.“

„Welche Computerkenntnisse muss ich für ein Studium mitbringen?“
Frau Lutz: „Grundlagenkenntnisse in Informationsrecherche, Textverarbeitung und, abhängig vom Studienfach, Tabellenkalkulation sind sinnvoll. Die Universitäten bieten über ihre Rechenzentren zahlreiche Computerkurse für Studierende an. Auch die Universitätsbibliotheken unterstützen dich – etwa mit Kursen zur Literaturrecherche.“

3 Dinge, die du für dein erstes Semester wissen musst:

1. Ein Dozent zeigt in der Vorlesung Formeln, die du nicht verstehst: Nachfragen erlaubt!

2. Handyvertrag, Kino, Museum: Mit deinem Studentenausweis gibt’s fette Rabatte.

3. Halte dir freitags frei, wenn du deinen Stundenplan erstellst. Das studentische Wochenende beginnt schon donnerstags.

Wo ist der Hörsaal? Was macht eigentlich die Fachschaft? Aushänge helfen bei der Orientierung.
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Neue Freunde findest du an der Uni schnell – wenn du wie Hannah offen auf Menschen zugehst.
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Die LMU ist mit etwa 50.000 Studierenden die zweitgrößte Uni Deutschlands. Hannah findet sich dort gut zurecht.

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