Anlauf für den Traumjob

Deutschlands Abiturienten haben klare Vorstellungen, wer ihre Traumarbeitgeber sind. Aber wie kommt man ran, an Jobs bei Lufthansa, BMW, ProSieben und Co? Wir zeigen dir, welche Wege es zu den beliebtesten Unternehmen gibt

Wohin soll die Reise gehen? Wir geben wertvolle Tipps zu deiner Bewerbung bei der Lufthansa, BMW, ProSiebenSat.1 oder der Polizei
Wohin soll die Reise gehen? Wir geben wertvolle Tipps zu deiner Bewerbung bei der Lufthansa, BMW, ProSiebenSat.1 oder der Polizei

Auf dem Weg zum Abi geht es vielen wie den großen Entdeckern, die mit dem Schiff die Weltmeere überquerten: Nach langer, manchmal vielleicht mühsamer Fahrt durch die Schuljahre taucht am Horizont das Abitur auf. Der lang ersehnte Hafen ist das Ende einer langen Reise – und zugleich der erste Schritt auf unbekanntem Boden. Aber im Visier vieler Abiturienten ist dann schon längst das nächste Ziel: Ein spannender Job bei einem spannenden Unternehmen.

Und da haben die meisten schon klare Vorstellungen. Das sagt zumindest das „trendence-Schülerbarometer“, das Abiturienten seit einigen Jahren regelmäßig nach ihren liebsten zukünftigen Arbeitgebern befragt. Die Lufthansa gehört dazu, der Medienkonzern ProSiebenSat.1 ebenso – und jede Menge Autofirmen, angeführt von BMW.

Die Mischung macht's
„Die richtige Mischung aus Wohlfühlen, beruflicher Entwicklung und Stabilität macht den Traumarbeitgeber für Schüler aus“, sagt Jörn Klick, der beim Marktforschungsinstitut trendence arbeitet. Erstaunlich: Wie hoch das Gehalt beim Berufseinstieg ist, steht bei Abiturienten nicht an vorderster Stelle, sagen die Ergebnisse der Studie. Was zählt ist vor allem die Sicherheit der Anstellung und die Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitern. „Die Bedeutung dieser Faktoren ist konstant hoch“, sagt Klick.

Gleichzeitig entsprechen die Berufsbilder bei den großen Firmen den beliebtesten Studiengängen in Deutschland: Überall werden Betriebswirte gesucht, bei den Auto- und Flugzeugbauern ist der Bedarf an Ingenieuren groß, in den Medien sind kreative Berufe gefragt. Das Problem dabei: Der Andrang auf die Traumarbeitgeber ist hoch, die Konkurrenz gewaltig. Ein Spaziergang ist der Weg zu den Unternehmen deshalb genauso wenig, wie die ersten Expeditionen der Entdecker auf neuen Kontinenten.

So bekommst du deinen Traumjob
Auch wenn es manchmal so erscheint, ist der Einstieg nicht so schwierig, wie die Reise des Kolumbus nach Amerika. Denn der Weg zum Traumarbeitgeber führt immer über eine Mischung aus formalen und informellen Kriterien. 
So banal es klingt: Eine saubere Bewerbung, fehler- und fleckenfrei, ist überall Pflicht – aber überraschenderweise bei weitem nicht immer von allen Bewerbern geboten, bemängeln Unternehmen.

Solide Fremdsprachenkenntnisse, zumindest in Englisch, gehören ebenfalls dazu – schließlich sind die Traumarbeitgeber aus der Wirtschaft ausnahmslos Unternehmen, die weltweit vernetzt sind. Und dann gibt es da natürlich noch die Noten: BMW etwa schreibt ganz deutlich, dass die Zensuren aus Schule und Studium „einen großen, aber nicht allein entscheidenden Einfluss“ auf die Bewerbung haben.

Bei ProSiebenSat.1 dagegen kommt der Blick auf die Noten erst relativ spät, sagt Ausbildungsleiterin Silvia Pacher-Theinburg: „Wir legen sehr viel Wert auf eine Hands-On-Mentalität“. Wer also beispielsweise ehrenamtlich eine Jugendgruppe geleitet hat oder andere relevante Tätigkeiten vorweisen kann, muss nicht unbedingt in jedem Fach die besten Noten haben.

Ein genauer Blick lohnt sich
Viel wichtiger ist, dass man sich im Vorfeld mit den Unternehmen auseinandersetzt. Oft stellt sich bei der Recherche nämlich heraus, dass hinter den Traumarbeitgebern oft mehr steckt, als man auf den ersten Blick ahnt. Zur Lufthansa etwa gehören nicht nur die Flugzeuge mit dem Kranich-Logo, sondern noch sieben weitere Airlines, darunter Germanwings, die österreichische Austrian und die schweizerische Swiss. Lufthansa Technik wartet neben den eigenen auch die Flugzeuge von weltweit mehr als 770 Kunden. Und die Lufthansa-Tocher „LSG Sky Chefs“ ist globaler Marktführer, was das Zubereiten und das Ausliefern von Flugzeugessen betrifft.

Ein genauer Blick lohnt sich also, das gilt besonders auch für die Automobilindustrie: Drei Viertel eines Autos entstehen bei den Zulieferunternehmen, die einzelne Teile wie Bremsanlagen, Elektrotechnik oder die Innenausstattung entwickeln und produzieren. Die Namen dieser Zulieferer kennen nicht immer alle. Aber ohne sie ginge nichts. „Kreativen Berufsanfängern mit Tüftler-Mentalität bieten sich hier interessante Tätigkeitsfelder“, sagt Matthias Wissmann, Präsident des Verbands der Automobilindustrie.

Zudem haben viele der weltweit größten Zulieferer ihren Hauptsitz in Deutschland – wie zum Beispiel Continental, Bosch oder ZF Friedrichshafen. Aber auch kleinere Zulieferunternehmen sind meist weltweit vertreten und arbeiten ganz eng mit den Autobauern zusammen. Als Karriereoption kann das durchaus spannend sein: „Berufseinsteiger übernehmen bei mittelständischen Zulieferern naturgemäß schneller breitere Verantwortung, als in großen Unternehmen“, sagt Wissmann.

Einfach zum Hörer greifen
Aber wie kommt man ran an den Traumarbeitgeber? Die erste Anlaufstelle sind stets die Internetseiten der Unternehmen. Viele haben eigene Karriereseiten, auf denen sie ihre Anforderungen erklären und all ihre Karriere-Möglichkeiten beschreiben – vom Schülerpraktikum über duale Studiengänge bis zur Abschlussarbeit. „Wenn man mehr wissen will, sollte man einfach zum Hörer greifen“, empfiehlt Malte Eilenstein von der Studienberatung „Plan Z“. So stellt sich beispielsweise schnell heraus, dass ProSiebenSat.1 keine Moderatoren, dafür aber Mediengestalter ausbildet und bei der Lufthansa aktuell zwar keine Piloten, dafür aber viele andere Berufe gesucht werden.

Eine weitere Möglichkeit, in direkten Kontakt zu kommen, sind Berufsmessen, die in vielen Städten stattfinden. Auf der Infomesse „TRAUMBERUF IT&TECHNIK“ von absolut°karriere etwa (Mehr Infos zur Messe) kann man erste Gespräche mit Vertretern aus dem Unternehmen führen und erfährt womöglich Dinge, die nicht auf der jeweiligen Homepage stehen. Zum Beispiel wie die Stimmung bei den Auszubildenden ist oder welche Anstrengungen die Firma unternimmt, um Mitarbeiter zu binden.

Eine dritte Möglichkeit sind Infoveranstaltungen der Unternehmen selbst. Die Lufthansa etwa lädt in regelmäßigen Abständen Schüler ab 14 Jahren zu Informationstagen an die verschiedenen Standorte ein. Einen Nachmittag lang kann man sich dann mal bei Lufthansa Technik umschauen oder sich über Informatikstudiengänge bei Lufthansa Systems schlau machen. Der Verband der Automobilindustrie organisiert im Rahmen der „Internationalen Automobilausstellung“ die Kampagne „GoIng“, bei der sich angehende Abiturienten praxisnah über das Ingenieursstudium und Berufsperspektiven informieren können.

„Einen zu frühen Kontakt kann es eigentlich gar nicht geben“, sagt Elke Frank, die Personalchefin vom Softwarekonzern Microsoft. Dessen Mitarbeiter sind viel in Blogs und sozialen Netzwerken vertreten. Sie stehen bereit, wenn man Fragen zum Berufseinstieg hat. So kann aus einer Facebook-Diskussion auch mein Praktikumsangebot entstehen. Wichtig ist für Bewerber: Mal muss man einen Umweg zum Ziel nehmen. Mal stellt sich bei der Reise heraus, dass es vielleicht viel spannendere Orte zu entdecken gibt, als ursprünglich geplant. „Man sollte sich immer ehrlich selbst fragen, ob man die Erwartungen der Unternehmen erfüllen kann“, sagt Malte Eilenstein von „Plan Z“. Denn: Auch die Unternehmen sind auf der Suche nach den richtigen Leuten und versuchen, spannende Kandidaten zu gewinnen. Und wenn am Ende nicht der Traumarbeitgeber „Indien“, sondern die nicht minder interessante Firma „Amerika“ das Ziel der Reise ist, dürfte jeder Entdecker zufrieden sein.


Lufthansa

Up and away
Die Lufthansa Group ist breit aufgestellt: Sie besitzt weltweit beinahe 500 Tochterunternehmen. Über 115.000 Menschen arbeiten hier. Neben den Kerngeschäften Passagierbeförderung und Luftfracht bietet das Unternehmen Logistik, Technik, Catering und IT-Services an.

Ausbildungsangebot: Lehrstellen gibt es im kaufmännischen, technischen, gastronomischen und informationstechnischen Bereich.

Studienangebot: Plätze für ein Duales Studium bieten die Bereiche Wirtschaftsinformatik, Ingenieurswissenschaften und Wirtschaftswissenschaften.

Jetzt bewerben: www.be-lufthansa.com

„Im Dualen Studium bei Lufthansa Technik kannst du deinen späteren Arbeitgeber gut kennenlernen und wertvolle Kontakte für die weitere Karriere knüpfen.”
Tim Hainzinger (24), Dualer Student Flugzeugbau bei Lufthansa Technik

BMW

Benzin im Blut
Die Autobauer aus Bayern landen in der trendence-Studie seit Jahren immer auf den vorderen Plätzen. Kein Wunder: Zählt BMW doch zu den bekanntesten Marken weltweit. Rund 110.000 Menschen entwickeln und produzieren international Autos, Motorräder und auch Fahrräder. Übrigens nicht nur für BMW, sondern auch Rolls-Royce und Mini.

Ausbildungsangebot: Lehrstellen gibt es in den Bereichen Fahrzeugtechnik, Elektronik, Oberflächentechnik, IT und Betriebswirtschaft

Studienangebot: Plätze für ein Duales Studium bieten die Bereiche Wirtschaftsinformatik, Ingenieurswissenschaften und Wirtschaftswissenschaften.

Jetzt bewerben: www.bmwgroup.com/karriere

„Man sollte seine Praxiseinsätze von Anfang an gut planen. Dann hat man vor allem in den Sommerferien auch Zeit für Urlaub und Erholung.”
Fabian Ernst (25), Dualer Student Mechatronik/Elektrotechnik bei BMW

ProSiebenSat.1

Heute gibt‘s ein Foto für Dich
Die ProSiebenSat.1 Group ist eines der größten Medienhäuser in Europa. 15 Sender in Deutschland, Österreich und der Schweiz erreichen rund 42 Millionen TV-Haushalte. Was viele nicht wissen: der Video-on-Demand-Anbieter maxdome gehört ebenso zur Gruppe wie das Produktions- und Vertriebsunternehmen Red Arrow. Weltweit sind 3.500 Mitarbeiter beschäftigt.

Ausbildungsangebot: Lehrstellen gibt es als Mediengestalter, Kaufmann für audiovisuelle Medien und Fachinformatiker

Studienangebot: Plätze für ein Duales Studium in Medien- und Kommunikationswirtschaft, Accounting und Controlling

Jetzt bewerben: www.prosiebensat1-jobs.com

„Bei ProSiebenSat.1 bekommt man von Anfang an viel Verantwortung übertragen. Wer darauf Lust hat, ist hier genau richtig. Und wer diese Einstellung auch in seiner Bewerbung rüber bringt, hat im Unternehmen gute Chancen.”
Christoph Hohenfeld (19), studiert dual Accounting & Controlling bei ProSieben

Bundespolizei

Aufgepasst! Die Anforderungen der Polizei variieren je nach Bundesland. Auf www.polizei.de kann man sich informieren: alle Behörden bieten einen direkten Link zum jeweiligen Karriereportal.

Ausbildungsangebot: Vom Kfz-Mechatroniker bis Fluggerätemechaniker. Mit Abi steht dir außerdem der gehobene Polizeivollzugsdienst offen.

Studienangebot: Etwa Polizeivollzugsdienst (B.A.). Danach geht auch ein Master in Polizeimanagement.

Jetzt bewerben: www.polizei.de

„Zu spät bewerben ist sicherlich ein Kardinalsfehler. Die Bewerbungsfristen liegen gut ein Jahr vor dem Ausbildungsbeginn.”
Andreas Mohr, Autor Ratgeber „Bewerbung Polizei und Zoll“

Autor: Manuel Heckel

So kommst du rein

Drei Wege, um bei Marken-Arbeitgebern wie BMW, Lufthansa oder ProSiebenSat.1 unterzukommen

Als Schüler schnuppern, als Student durchstarten: Ein Praktikum in den Sommerferien hilft, das Wunschunternehmen zu verstehen. Was steckt hinter einer schnöden Berufsbezeichnung? Welche Möglichkeiten gibt es, reinzukommen? Stimmt die Vorstellung mit der Realität überein? Und in den nächsten Sommerferien schaut man sich vielleicht ein anderes Unternehmen an.

Dein Vorteil:
Bei ausreichender Dauer kannst du eine Abteilung kennenlernen – und die richtigen Ansprechpartner kennen schon mal deinen Namen.

Schulbücher und Auftragsbücher im Wechsel: Rund drei Jahre lang wechseln sich im Dualen Studium Praxis- und Theoriephasen ab. Im Unternehmen durchläuft man verschiedene Bereiche, an der Hochschule büffelt man für den Bachelor. Dabei verdient man schon sein erstes Geld.

Dein Vorteil:
Du kannst fast immer im Unternehmen direkt durchstarten – die Firma hat dich genau auf ihre Bedürfnisse vorbereitet und viel in dich investiert. Eine Übernahme ist also wahrscheinlich.

Insider sein, bevor man überhaupt angefangen hat: Viele Unternehmen haben lange Listen mit Themen, die sich perfekt für eine Bachelor- oder Masterarbeit eignen. Als Werkstudent mit einer Auftragsarbeit lernst du oft das ganze Unternehmen oder eine Abteilung davon sehr intensiv kennen. Wenn du was drauf hast, legst du hier den Grundstein für den Direkteinstieg. Und vergütet wird die Arbeit in
aller Regel auch noch.

Dein Vorteil:
Ist die Abschlussarbeit erfolgreich, hilfst du dem Unternehmen damit schon konkret weiter. Die Aussicht, danach ein Folgeprojekt zu bekommen, steht nicht schlecht. Immerhin kennst du einen Teilbereich schon sehr genau.


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