Werbung in eigener Sache

Dein Abi ist ein wichtiger Meilenstein. Und doch geht es danach erst richtig los. Auf dem Weg zur Ausbildung, einem dualen Studium oder dem Traumpraktikum musst du noch eine große Hürde meistern: die Bewerbung

Autorinnen: Romy Schönwetter, Kathrin Stangl // Illustrationen: Christian Barthold

Ein Praktikumsplatz, zwei Bewerberinnen: Anna (l.) und Mia kämpfen beide ein Praktikum bei Hit-Radio abc°music

Anna und Mia haben’s geschafft: das Abitur. Beide studieren ab Oktober „Medien und Kommunikation“ an der Uni in Passau. Der Haken: Sie brauchen noch ein achtwöchiges Vorpraktikum. absolut°karriere begleitet Anna und Mia auf dem Weg zur perfekten Bewerbung für ein Praktikum beim angesagten Radiosender abc°musik.

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Das Bewerbungsfoto

Spieglein, Spieglein an der Wand… wer ist die schönste Bewerberin im Land? Das Foto ist eines der ersten Dinge, die dein zukünftiger Chef von dir sieht. Hier gilt: Fühlst du dich gut, sieht man das auch auf dem Bewerbungsfoto.

Mia ist gestresst. Gestern war sie Babysitten und hat nicht viel Schlaf bekommen. Doch die Bewerbungsfrist für das Radio-Praktikum rückt näher und sie will unbedingt noch Fotos machen. Eine dicke Schicht Make-Up wird’s schon richten.

Mias Devise: Warum viel Geld ausgeben, wenn es auch günstig geht. Deshalb entscheidet sie sich für einen Passbildautomaten. Vier farbige Bilder, alle im gleichen Format. Da fällt wenigstens die Auswahl leicht. Nach dem fünften Anlauf ist Mia einigermaßen zufrieden. Auch wenn man ihr die Strapazen der letzten Nacht ansieht.

Don’t: Lass die Finger von zu viel Make-Up. Und von Fotoautomaten. Wer schon bei den Bewerbungsbildern nachlässig ist, zeigt dem potenziellen Arbeitgeber vor allem eines: kein ernsthaftes Interesse. Bei Jungs gilt: frisch rasiert, statt Natur pur.

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Aus diesem Grund holt sich Anna Unterstützung bei einem professionellen Fotografen. Den hat ihr eine Freundin empfohlen. Weil es beim Radio eher locker zugeht, entscheidet sich Anna für ein leichtes Make-Up und offene Haare. Zur Sicherheit hat sie zwei Outfits in pastellgrün mitgenommen – eine Farbe, die ihr besonders gut steht.

Anna ist noch unsicher, wie ihre fertige Bewerbung aussehen soll. Deshalb hat sie mit dem Fotografen besprochen, dass sie drei Bilder in Schwarz-Weiß und in Farbe auf CD-Rom bekommt. Anna will sich später entscheiden und das Foto auswählen, das am besten zu ihrer Bewerbungsmappe passt. Der Fotograf empfiehlt Anna ein Bild in Hochformat von 6x4 cm. Wer experimentierfreudiger ist, kann auch ein Querformat von 8x5 cm wählen.

Do: Lächeln, lächeln, lächeln. Denk beim Fotoshooting an etwas Schönes. So wirkst du auf deinen Arbeitgeber sympathisch. Aber: Ein übertriebenes Lachen ist zu viel des Guten.

Der Lebenslauf

Der Personalverantwortliche bekommt jeden Tag unzählige Bewerbungen auf den Tisch. Um da herauszustechen, muss dein Lebenslauf schon auf den ersten Blick überzeugen.

Mia hat ihren Lebenslauf in aller letzter Minute gemacht. Was kann man da schon groß verkehrt machen? Unter Zeitdruck achtet sie gar nicht mehr darauf, dass sie unterschiedliche Schriften und Schriftgrößen verwendet. Sogar einige ihrer Angaben sind zeitlich durcheinander geraten.

Dass die Berufe der Eltern in den Lebenslauf gehören, hat Mia irgendwo einmal gelesen. Und um Eindruck zu schinden, mogelt sie ein wenig bei ihren EDV- und Sprachkenntnissen. Wird schon keinem auffallen. Genauso wenig wie die Kaffeeränder oder das kleine Eselsohr oben rechts in der Ecke. Es geht ja um ihre Fähigkeiten und nicht darum, wie das Papier aussieht – denkt Mia.

Don’t: Dein Lebenslauf muss formal korrekt sein. Im Internet findest du viele Vorlagen, die dir bei der Gestaltung helfen. Ach ja: Bei der Wahrheit bleiben. Einem geschulten Personalchef fällt spätestens im Gespräch auf, wenn du irgendwo übertrieben hast.

Anna weiß: Die Mehrheit der Personaler schaut als erstes auf den Lebenslauf. Deshalb gestaltet sie ihn klar und übersichtlich. Das Foto platziert sie oben rechts. Ihre Schulausbildung sowie die gesammelte Praxiserfahrung ordnet Anna im sogenannten „amerikanischen“ Stil an. Sie beginnt als erstes mit der aktuellen Tätigkeit und führt dann Schritt für Schritt bis zu ihrer Einschulung zurück.

Ihren Nebenjob, ihr erstes Praktikum und ihr soziales Engagement beschreibt sie mit einigen Stichpunkten genauer. Anna hebt dabei die Aufgaben und Kenntnisse hervor, die sie für ein Praktikum bei einem Radiosender qualifizieren. In einer Fußzeile fasst sie noch einmal die wichtigsten Kontaktinformationen zusammen. Anna achtet genau darauf, dass sie keine Ecken umknickt, als sie ihren Lebenslauf zu den restlichen Unterlagen in den Umschlag packt.

Do: Beschränke dich auf das Wesentliche: Gut strukturiert und eine, allerhöchstens zwei Seiten lang. So sollte dein Lebenslauf aussehen.

Das Anschreiben

Eine Stelle zu besetzen, bedeutet für den Arbeitgeber viel Aufwand. Die besondere Herausforderung: Du musst auf maximal
einer DIN A4-Seite überzeugen – mit deiner Persönlichkeit und deinem Können.

Mia tippt drauf los, ohne genau zu wissen, was sie sagen will. Da in der Stellenausschreibung nur der Vorname des Ansprechpartners angegeben ist, schreibt sie lieber „Sehr geehrte Damen und Herren“ und geht auf Nummer sicher. Mia hat bereits ein Praktikum bei einer Werbeagentur gemacht und will damit punkten. Ausführlich erklärt sie, was sie dort alles gemacht hat. Leider nimmt sie dabei auf die Stellenanzeige wenig Bezug. Es wird nicht deutlich, warum gerade Mia für das Radio-Praktikum die beste Wahl ist. Dabei könnte sie vor allem mit ihrer Kreativität und Selbstständigkeit punkten.

„Über eine Einladung zu einem persönlichen Gespräch würde ich mich wirklich freuen“ – ein gelungener Schluss, findet Mia. „Hätte, könnte, würde“: Der Konjunktiv ist nicht falsch, wirkt aber zögerlich. Deshalb besser: „Ich freue mich über Ihre Einladung zu einem Vorstellungsgespräch.“

Don’t: Standardsätze nachplappern, überzeugt keinen Chef. Auch nicht, wenn du ausführlich beschreibst, was du bisher schon alles gemacht hast. Hat es nichts mit dem Job zu tun, hat es im Anschreiben nichts verloren.

Was genau interessiert mich an dem Praktikum? Warum bin gerade ich für Hitradio abc°musik ein Gewinn? Anna hat sich darüber viele Gedanken gemacht. Nach einem kurzen Anruf beim Sender weiß sie nun, dass Herr Rolf Stein für die Auswahl des Praktikanten zuständig ist. Sie hat mit ihm persönlich gesprochen und so noch mehr über das Praktikum erfahren. Im Anschreiben bedankt sie sich für das nette Telefonat. Mit wenig Mehraufwand zeigt Anna damit nicht nur echtes Interesse, sondern auch, dass sie sich umfassend informiert hat.

Briefkopf, Betreff, Anrede, Auftakt, Hauptteil und Schluss. Anna gliedert ihr Anschreiben übersichtlich und liegt damit richtig. Nachdem ihr Vater alles Korrektur gelesen hat, unterschreibt sie die Bewerbung höchstpersönlich. Auch an den Anhang hat sie gedacht: Neben dem Abiturzeugnis legt sie ein Zertifikat ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit als Taekwondo-Trainerin hinzu.

Do: Bitte mit Köpfchen! Beim Anschreiben kommt es nicht nur auf die richtigen Formalien an, sondern vor allem auf deine Persönlichkeit. Zeige wer du bist, was du kannst und wie du dich bei dem Arbeitgeber mit deinen Fähigkeiten einbringen willst.

Das Gespräch

Trotz ihrer sehr unterschiedlichen Bewerbungen haben es Mia und Anna
in die finale Runde geschafft: das Bewerbungsgespräch. Jetzt geht es um alles. Am besten engagiert und ganz natürlich geben.

Ihren Wecker hat Mia am Morgen des Bewerbungsgespräches nicht gehört. Sie verpasst den Bus und kommt viel zu spät zu dem Termin. Während des Gesprächs sitzt sie mit verschränkten Armen auf ihrem Stuhl, blickt im Raum herum und kaut weiter ihren Kaugummi.

Auf manche Fragen von Personaler Rolf Stein antwortet sie nur mit einem gelangweilten Ja oder Nein. Ein anderes Mal erzählt sie ausschweifend von ihrer Tätigkeit als Babysitterin und ist einfach nicht zu bremsen. Nachdem alle wichtigen Dinge geklärt sind, entsteht eine peinliche Stille. Der Personalverantwortliche erwartet Nachfragen, doch Mia nutzt diese Chance nicht.

Don’t: Beim Bewerbungsgespräch darfst du auf gar keinen Fall zu spät kommen. Wenn du es schon bei einem so wichtigen Termin nicht schaffst pünktlich zu sein, wie soll das dann erst bei der täglichen Arbeit werden?

Schon am Vorabend ihres Bewerbungsgespräches hat sich Anna die beste Bahnverbindung herausgesucht, damit sie auch pünktlich bei Hitradio abc°musik ankommt. Bei einer Bekannten, die selbst beim Radio arbeitet, hat sie sich zuvor über die Kleiderordnung beim Radio informiert. Hosenanzug und Kostüm lässt sie bewusst zu Hause und entscheidet sich für Jeans und eine Bluse.

Trotz ihrer Nervosität bleibt sie natürlich und hält Blickkontakt mit ihrem Gegenüber. Sie hört Rolf Stein aufmerksam zu und beantwortet dessen Fragen freundlich, aber ohne auszuschweifen. Schon zu Hause hat sie sich Fragen zum Radiosender und der Stellenausschreibung überlegt, die sie am Ende des Gesprächs stellen möchte. Anna weiß: Wenn sie selbst Fragen stellt, zeigt sie Interesse und vermittelt den Eindruck, dass sie sich wirklich um die Praktikantenstelle bemüht.

Do: Bleib natürlich. Es hilft nichts sich zu verstellen, um den Personalverantwortlichen zu beeindrucken – das merkt er sofort. Selbst wenn du aufgeregt bist, wird das Jeder verstehen.

Anna hat es geschafft: Sie hat den Personalchef nicht nur mit ihrer Bewerbung, sondern auch im persönlichen Gespräch von sich überzeugt. Sie macht ab Juli ihr Wunschpraktikum beim Radio. Mia hingegen ist enttäuscht, dass es nicht geklappt hat.

7 Dinge,
die du beim Bewerbungsgespräch auf keinen Fall sagen solltest:

„Hallo Herr... ähm, wie heißen Sie noch gleich?“ Vor dem Gespräch unbedingt noch einmal den Namen des Ansprechpartners ins Gedächtnis rufen.


„Partys, feiern, chillen“ Auch wenn du gerne den Tag zur Nacht machst: Diese Info hat in einem Bewerbungsgespräch nichts zu suchen.


„Ich muss da ganz kurz rangehen.“ Während dem Bewerbungsgespräch muss das Handy unbedingt ausbleiben.


„Was genau macht Ihr Unternehmen jetzt noch mal?“ Vorbereitung ist das A und O! Wenn du nichts über das Unternehmen weißt, sollte der Personalverantwortliche das auf keinen Fall mitbekommen.


„Alter, der Job wär’ megageil.“ Achte auf deine Ausdrucksweise und vermeide umgangssprachliche Formulierungen wie „krass“ oder „cool“.


„Mein letzter Chef war so ein A***.“ Auf gar keinen Fall schlecht über die letzte Arbeitsstelle oder den Chef sprechen. Das macht keinen guten Eindruck.


„Und wie viel Geld krieg ich da jetzt?“ Gleich beim ersten Treffen nach Gehalt und Urlaubstagen zu fragen ist ein No Go.