Ein bisschen wie Hollywood

Im zweiten Lehrjahr einen Millionenetat verwalten und Verantwortung für 40 Mitarbeiter übernehmen – das klingt nach Wunderkind, Start-up-Erfolg à la Facebook oder Blockbuster- Drehbuch. Tatsächlich bekommt man diese Chance bei einem dualen Studium im Handel, beispielsweise bei Kaufland

Kaufland_duales Studium
Praxis trifft Theorie: Kenntnisse aus seinem dualen Studium setzt Tobias Liesenfeld (24) sofort im Kaufland-Markt um

Während Tobias Liesenfeld durch die Regalreihen läuft, springt sein Blick ständig zwischen dem Gesprächspartner und den angebotenen Produkten hin und her. Ab und zu bleibt er stehen, zieht eine Packung Nudeln nach vorne, rückt ein Päckchen Schokokekse gerade oder sortiert die letzten beiden Tütensuppen aus einem Karton in einen noch fast vollen um. Dabei erzählt er seelenruhig weiter davon, was er als Warenbereichsleiter Food bei Kaufland für Aufgaben hat. „Mein Tag beginnt morgens um halb sechs“, sagt er. „Zuerst schaue ich mir die Zahlen vom Vortag an, dann helfe ich den Kollegen beim Obst und Gemüse, damit um sieben Uhr, wenn die ersten Kunden kommen, alles fertig ist.“

Vor fünf Jahren, als Liesenfeld noch das Gymnasium in Boppard besucht, kommt ihm zum ersten Mal die Idee, nach der Schule Karriere im Handel zu machen. „Ich habe schon mit 16 beim Supermarkt ums Eck gejobbt, um Geld fürs Weggehen zu verdienen“, erinnert er sich. „Anfangs habe ich Regale eingeräumt. Dann kamen schnell andere Aufgaben dazu und auch mehr Verantwortung. Und kurz vor dem Abi habe ich dann von der Möglichkeit eines dualen Studiums im Handel gelesen. Das fand ich klasse.“

Das Puzzlebild setzt sich zusammen
Also bewirbt sich Liesenfeld bei Kaufland – und bekommt einen der begehrten Plätze. An der Dualen Hochschule in Mannheim (heute: Duale Hochschule Baden-Württemberg Mosbach, Außenstelle Heilbronn) lernt er die Theorie, im Markt sammelt er Praxiserfahrung. „Das Tolle an der kombinierten Ausbildung ist, dass man das Gelernte sofort einsetzen kann. Das ist auch der große Unterschied zu einem normalen Studium.“ Während seine früheren Schulfreunde an der Uni lernen, setzt sich für ihn durch die Praxisphasen Stück für Stück ein Puzzlebild zusammen. 

Wenn beispielsweise zu Weihnachten Champagnerflaschen wertvolle Regalfläche einnehmen, obwohl sie sich nur spärlich verkaufen, sei der Sinn dahinter nicht sofort nachvollziehbar. Im Studium aber wird Liesenfeld bewusst, dass damit zum einen hohe Margen erzielt werden, zum anderen bestätigt sich dadurch für die Kunden der Eindruck eines gut sortierten Marktes. „Das bedeutet einen Image-Gewinn für das Unternehmen und ist damit ein Kundenbindungsinstrument“, erklärt er.

Verantwortung für einen Millionenumsatz
In der Praxis durchläuft er alle Stationen im Markt, sitzt an der Kasse und räumt Waren ein. Doch am Ende liegt sein Schwerpunkt auf der strategischen Planung des Verkaufs. Welche Produkte kommen bei den Kunden gut an, wie erreiche ich noch mehr Absatz? Das sind die Fragen, die er sich stellen muss – und er macht es gut.

Noch während seines dualen Studiums bekommt er die Position des Warenbereichsleiters Food angeboten und hat damit nach nur zwei Jahren bei Kaufland Verantwortung für knapp 40 Mitarbeiter. Der größte Anteil des Umsatzes im Markt kommt aus seinem Bereich, zu dem neben Obst, Gemüse, Molkereiprodukten und anderen Nahrungsmitteln auch Tierfutter und Reinigungsmittel gehören. „Mit diesem Sortiment hat man die Verantwortung für mehrere Millionen Euro Umsatz im Jahr – das können wahrscheinlich nicht allzu viele Studenten von sich behaupten“, ist Liesenfeld sicher.

Beim Klassentreffen zwei Jahre nach dem Abitur bekommen seine ehemaligen Mitschüler große Augen, wenn er von seinem Job erzählt. Er vergleicht seine Ausbildung und die Zeit danach mit einem Hollywood-Drehbuch: „Dass aus dieser Idee so schnell mein Traumjob werden würde, hatte ich nicht erwartet“, sagt er. Karriere zu machen bedeutet für ihn zunächst, seine Arbeit gut zu machen. „Dann kommt der Rest von ganz allein“, ist er sich sicher.

Eine Fortsetzung für seinen ganz persönlichen Karrierestreifen hat der 24-Jährige auch schon in petto: In zwei, drei Jahren will er als Verkaufsleiter für mehrere Märkte verantwortlich sein, später kann er sich gut vorstellen, als Geschäftsführer zu arbeiten und mehrere Verkaufsleiter zu führen. „Wenn man sich reinhängt und genügend Ehrgeiz mitbringt, ist alles möglich“, sagt Liesenfeld. Und es klingt, als bekäme dieser Film ein Happy End.

Autor: Jörg Donner

„Zu einer Karriere im Handel gehört ein überzeugender Charakter, der in unterschiedlichen Situationen ausgeglichen und bedacht bleibt. Der Umgang mit Kunden, Kollegen, Chefs und Mitarbeitern ist täglich eine Herausforderung, die aber vor allem Spaß machen sollte. Natürlich gehört auch der Mut dazu, Unbekanntes auszuprobieren, frühzeitig Verantwortung zu übernehmen und auch mal Niederlagen einstecken zu können. Und wie in jeder Karriere braucht es ein Quäntchen Glück – um zum richtigen Zeitpunkt an der richtigen Stelle zu sein.”
Viola Mühlinghaus (27),
Personalentwicklerin bei Kaufland
„Wenn man sich reinhängt und genügend Ehrgeiz mitbringt, ist alles möglich.”
Das Wissen aus dem Studium setzt Tobias Liesenfeld (24) sofort bei Kaufland um.
Langeweile gibt es nicht im Arbeitsleben von Tobias. Täglich meistert er neue Aufgaben

Weitere Themen